Presse-Informationen

München, den 18. Juni 2008

Vorbericht Juli - Auktionen 2008

Mit fünf Auktionen beschließt Hampel Kunstauktionen am 4. und 5. Juli die Halbjahressaison 2008. In gleicher Anzahl von Katalogen werden Lose aus den Bereichen Möbel und Einrichtung, Gemälde, Russische Kunst und Juwelen & Uhren geboten, dazu eine Allgemeine Kunstauktion mit einem Angebot aus allen Gattungen und Epochen der Kunst.

 

Möbel und Einrichtung

 

Zu den herausragenden Losen der Möbelpartie zählen zwei französische Kommoden des Louis-XV und Louis-XVI. Das Louis-XV-Exemplar, eine zweischübige Kommode mit leicht bombierter Kontur und floraler Marketterie, stammt von dem deutschstämmigen, 1722 geborenen Christophe Wolff. Sie trägt dessen Signatur und ist auf 1755 datiert. Christophe Wolff, der berühmt war für seine mit großer Raffinesse hergestellten Möbel des Louis-XVI und des Transition, unterhielt in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts seine Werkstätten in Paris, in der Rue de Charento und der Rue Neuf Saint Dénis. Die aus einer Privatsammlung übernommene Kommode ist mit einem Schätzpreis von 100.000-120.000 Euro ausgewiesen.

 

Von Louis Moreau, seit 1764 als Meister geführt, stammt die Demi-Lune-Kommode in Louis-XVI mit weißer Marmorplatte. Ihr Korpus ist in Eiche gebaut, das Furnier in Mahagoni, satiniertem Amaranthholz und hellen Zierhölzern gehalten, dazu mit reichem, vergoldetem Bronzebeschlagwerk dekoriert. Zu den Provenienzen zählen die Sennegon Collection, Gutierrez de Estrada Collection und die Grognot et Joinel Collection (Taxe 150.000-180.000 Euro).

 

 

Gemälde

 

Besonders bedeutende Lose kommen in der Auktion Gemälde zum Aufruf. Glanzstück ist eine Venedig-Vedute mit Blick auf den „Campo SS. Giovanni e Paolo“ von Michele Marieschi (1694 – 1743 Venedig). Den rechten Bildausschnitt beherrscht die größte Kirche der Lagunenstadt, die Dominikanerkirche S. Zanipoli (SS. Giovanni e Paolo) mit roter Backsteinfassade. Im Hintergrund erkennt der Betrachter die halbmondförmigen statuengekrönten Abschlusslünetten der Scuola Grande di S. Marco, im Vordergrund die Reiterstatue des Condottiere Bartolomeo Colleoni aus Bergamo nach dem Modell des Florentiner Bildhauers Andrea del Verrocchio. Den Rio del Mendicanti links beleben Gondeln, den Campo zu Gruppen gefasste Figurenstaffagen. Dem Gemälde liegt eine Expertise von Ralph Toledano, Paris, mit Angabe der Werkverzeichnisposition bei; siehe Ralph Toledano, Marieschi, L' Opera completa, 1995, S. 93, Nr. V27 (Taxe 500.000-600.000 Euro). Eine weitere Venedig-Vedute wird von Johann Richter (Stockholm 1665 - 1745 Venedig) zum Aufruf kommen. Johann Richter kam als Sohn eines Goldschmieds in Schweden zur Welt. Er verließ sein Heimatland 1697 und ließ sich in Venedig nieder, wo er zunächst in der Werkstatt von Luca Carlevarijs arbeitete, dem Begründer der venezianischen Vedutenmalerei. Nach Carlevarijs Tod im Jahr 1730 arbeitete er schließlich unabhängig und galt als wichtiger Zeitgenosse von Canaletto. In seinem Gemälde hielt er den Blick von der Piazetta S. Marco auf den Markusplatz fest, mit dem Campanile, den Alten Prokuratien, dem Uhrenturm und der Basilika von San Marco (Expertise von Egidio Martini, Taxe 80.000-100.000 Euro).

 

Stilllebenmalerei wird von Francesco Codino, der Ende des 16. Jahrhunderts vermutlich in den Südniederlanden als Franz Godin geboren wurde und später in der Lombardei aktiv war, und von Johannes Bosschaert, nachweislich tätig in Holland zwischen 1610 und 1628, geboten. Von Codino gibt es das „Stillleben mit einem Traubenkorb“ in Öl auf Pappelholz, das signiert und mit „1621“ datiert ist; es gehört zu einer vierteiligen Stillleben-Serie, von denen eines im Museo Civico in Padua bewahrt wird, ein weiteres in einer Privatsammlung nachgewiesen werden kann (Taxe 70.000 bis 75.000 Euro). Johannes Bosschaert ist mit einem üppigen „Früchtestillleben“ in der Offerte, das auf einer mit Blaumalerei dekorierten Fayenceschale arrangiert ist (um 1620, Taxe 42.000-46.000 Euro).

 

Durch ihre fortschrittliche Porträtmalerei ging die 1722 in Berlin geborene Dorothea Liszewska, die nach ihrer Hochzeit Therbusch hieß, in die Kunstgeschichte ein. Sie trat vor allem nach 1760 als Malerin in die Öffentlichkeit und wurde mit zahlreichen höfischen Aufträgen in Stuttgart, Mannheim und in Berlin betraut. 1765 übersiedelte sie nach Paris und wurde zwei Jahre darauf Mitglied der Académie Royale. In dieser Pariser Zeit, nämlich im Jahr 1766, entstand das in der Auktion angebotene Halbbildnis eines jungen Schäfer in Öl auf Leinwand, das rückseitig mit „Paris, 1766“ ortsbezeichnet und datiert ist. Der Dargestellte trägt eine elegante höfische Schäferkleidung, einen grünen, mit Goldborten besetzten Jagdrock und einen weißen Jabot darunter, dazu einen mit Straußenfedern besetzten Hut. Das Gemälde wurde ursprünglich in der Sammlung des Schlossmuseum Pawlowsk unter der Katalognummer 343 geführt. 1929 wurde es im Rahmen der Versteigerung von Kunstwerken aus den Beständen der „Leningrader Museen und Schlösser“ im Auftrag der Handelsvertretung der Union der sozialistischen Sowjet-Republiken bei Rudolph Lepke in Berlin verauktioniert. Aufgeführt ist es in dem begleitenden Katalog des Hauses Lepke unter der Katalognummer 20, dazu mit der Tafel 20 auch abgebildet (Taxe 50.000 – 60.000 Euro).

 

Englische Malerei des 19. Jahrhunderts aus dem Fach der Genre- und Landschaftsmalerei ist mit dem großformatigen Gemälde „Die Aufrichtung des Maibaums“ von Frederick Goodall (1822 – 1904) in der Offerte. Die vielfigurige dörfliche Szene, die in die Reihe der Dorffeste von Goodall einzuordnen ist, beleben im linken Bildausschnitt eine Szenerie in einer offenen Schenke, rechts Zuschauer, darunter viele Frauen und Mädchen, Kinder und Betagte, die dem Geschehen im Zentrum, der Errichtung des Mai-Baumes, folgen. Das Ölgemälde ist unten links signiert und „1851“ datiert, ein graviertes Messingschild am Rahmen vermerkt, dass das Gemälde im Jahr 1851 in der Royal Academy in London ausgestellt war (Taxe 80.000-100.000 Euro).

 

 

Russische Kunst

 

Russische Kunst wird in großer Bandbreite geboten, angefangen bei Malerei des 19. über die Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Vertretern, abgerundet mit Skulpturen und Kunstgewerbe.

 

Ein äußerst qualitätvolles Gemälde der russischen Malerei des 19. Jahrhunderts steht mit der St. Petersburger Vedute „Blick auf Newskij Prospekt“ von Petr Petrovich Vereshchagin zu Gebot. Vereshchagin wurde 1836 in Perm geboren, wo er seine malerische Ausbildung begann, die er an der St. Petersburger Akademie weiterführte. Seine Stadtansichten von Moskau und St. Petersburg hatten schon zu seinen Lebzeiten Weltruf und wurden außerhalb von Russland auch in den USA und in Frankreich ausgestellt. Heute zählen seine Gemälde zum Bestand der Tretjakow Galerie in Moskau und dem Russischen Museum in St. Petersburg. Seinen „Blick auf den Newskij Prospekt“, den berühmten Prachtboulevard von St. Petersburg, hielt Vereshchagin mit topographischer Genauigkeit fest und belebte ihn mit vielen flanierenden Passanten. Zu sehen sind die frühklassizistische Fassade von Gostiny Dwor, das Rathaus, die Kuppel der Kasaner Kathedrale, die Admiralität und die repräsentativen Mietshäuser (Öl/Malkarton, Taxe 38.000-50.000 Euro).

 

Russische Malerei des 20. Jahrhunderts stammt von Konstantin Korovin, Natalia Sergeevna Goncharova, Liubov Popova, Iwan Kljun und Olga Bulgakova. Von Konstantin Korovin (1861 – 1939) gibt es in impressionistischem Duktus die „Blumenvase am Fenster mit Seeblick“ in Öl auf Leinwand aus dem Jahr 1912 (Taxe 80.000-100.000 Euro). Eine abstrakte „Komposition“ von Iwan Kljun (1873 – 1943), ausgewiesen mit dem Zertifikat der Staatlichen Tretjakov Galerie, soll bei einem Gebot von 70.000-80.000 Euro den Besitzer wechseln. Nicht ohne Kenntnis der Malerei der Fauves ist der ausdrucksstarke „Adler“ von Natalia Sergeevna Goncharova (1881 – 1962) entstanden, der, von einem Gutachten begleitet, mit einer Schätzung von 180.000-200.000 Euro zu Gebot steht (Naturwissenschaftliche Beratung bei der Erhaltung von Kunst und Kulturgut, Mikroanalytisches Labor, 15.3.05, Dr. Anthony Parton, London, Spezialist für die Arbeiten von Larianov und Goncharova).

 

 

Allgemeine Kunstauktion

 

Zu den Höhepunkten unter den kunstgewerblichen Arbeiten der Auktionen zählt der große Innsbrucker Renaissance-Mörser, der Gregor Löffler zugeschrieben ist. Gregor Löffler (geboren um 1490, gestorben 1565), genannt Laiminger, gehörte zusammen mit Endorfer und Seelos zu den bedeutendsten Innsbrucker Bronzegießern und wurde wie diese unter Kaiser Rudolf II in den Adelsstand erhoben. Aus stark kupferhaltiger Bronze ist der vasenförmige Gefäßkörper gegossen, die glatte zylindrische Wandung über dem Fuß mit einem umlaufenden Ornamentfries aus Masken und Blättern verziert. Die vollplastischen Henkel sind aus Delfinen mit Akanthusblattdekorationen gestaltet (Taxe 15.000 - 18.000 Euro). In der allgemeinen Kunstauktion kommen außerdem Photographien von Helmut Newton aus dem Jahr 1977 zum Aufruf: „Jenny Kapitän, Pension Dorian, Berlin“ und „Gunilla Bergström, Paris“ (Taxen von 7.000 bis 9.000 Euro).

 

 

Vorbesichtigung: Samstag, den 28. Juni bis Mittwoch, den 2. Juli 2008, täglich von 10 bis 18 Uhr und Donnerstag, den 3. Juli von 9 bis 12 Uhr.

 

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