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Wednesday, 25 September 2019

Auction Old Master Paintings Part I

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Jusepe de Ribera, 1588/91 Jàtiva, Valencia – 1652 Neapel
Detailabbildung: Jusepe de Ribera, 1588/91 Jàtiva, Valencia – 1652 Neapel
Detailabbildung: Jusepe de Ribera, 1588/91 Jàtiva, Valencia – 1652 Neapel
Detailabbildung: Jusepe de Ribera, 1588/91 Jàtiva, Valencia – 1652 Neapel

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Jusepe de Ribera,
1588/91 Jàtiva, Valencia – 1652 Neapel

DER HEILIGE HIERONYMUS LIEST IN DEN SCHRIFTROLLEN Öl auf Leinwand.
120 x 87,5 cm. 

Catalogue price € 60.000 - 90.000 Catalogue price€ 60.000 - 90.000  $ 65,400 - 98,100
£ 52,800 - 79,200
元 469,800 - 704,700
₽ 4,229,400 - 6,344,100

 

Bevor Ribera nach Neapel ging studierte er bei Francisco Ribalta (1565-1628) in Valencia. In Rom setzte er sich mit den Werken Raffaelo Santis (1483-1520) und Agostino (1557-1602) und Annibale Carraccis (1560-1609) auseinander, in Parma und Modena mit denen von Antonio Allegri Correggio (um 1489-1534). Später stand er stark unter dem Einfluss von Michelangelo Merisi il Caravaggio (1570/71-1610). Die Qualität seiner Bilder erhob ihn zum Hofmaler des Herzogs von Osuna wie des Königs von Neapel. 1644 wurde zum Ritter des Christusordens durch den Papst. 1630 war er bereits Mitglied der Accademia di San Luca in Rom. Neben Caravaggio ist er der bedeutenste Naturalist der neapolitanischen Malerei mit Betonung des Chiaroscuro. Ein Hauptmerkmal seines Wirkens ist die bewusste Wahl der Darstellung von meist alten asketisch knochig schlanken Gestalten wie Einsiedlern oder Philosophen.

Beigegeben Gutachten von Nicola Spinosa vom 08. April 2014, Neapel.

Die beigegebene Expertise liefert Vergleichsverweise auf Werke wie etwa „San Girolamo e l‘angelo del Giudizio“, das sich in der Eremitage Sankt Petersburg befindet, ein Bild gleichen Themas im Museo di Capodimonte in Neapel, ferner wird auf ein weiteres Gemälde „Compianto sul Cristo deposto“ im Louvre in Paris verwiesen (erwähnt bei Spinosa 2006, Nr. A69, S. 286). Neben weiteren Vergleichsbeispielen nennt der Autor des Gutachtens ein Werk, das sich in der Pinacoteca di Brera in Mailand befindet, aufgeführt im Werkverzeichnis von 2006, Nr. A79, S. 291.

Das Gemälde ist kunsthistorisch aufgrund der ikonographischen Thematik von Bedeutung: Anstelle sonst üblicher Attribute, wie Löwe oder neutestamentliche Zeichen, wie etwa der Bibel oder eines Kreuzes, ist der Heilige hier nach rechts sitzend dargestellt, während er in einer geöffneten Pergamentrolle mit angedeuteten hebräischen Buchstaben liest. Mit nacktem Oberkörper, der Unterleib von einem roten, mannigfach gefalteten Mantel bedeckt, sitzt er im Halbbildnis nach rechts an einem Tisch, darauf Folianten sowie ein Schädel in der rechten unteren Ecke. Mit beiden Händen hält er die noch eingerollte sowie den Schlussteil einer Schriftrolle – wie der Oberkörper des Heiligen – von links oben stark beleuchtet. Die Schriftzeilen nur angedeutet, am Oberrand jedoch klar erkennbare hebräische Buchstaben, womit der Maler darauf hinweist, dass der Heilige hier in einem alttestamentarischen Schriftstück liest. Sein Kopf bärtig wiedergegeben und nach vorne geneigt, der Blick auf die Zeilen gerichtet. Der gesamte Malduktus in betontem Hell-Dunkel aufgefasst. Nahezu der gesamte Hintergrund ins Dunkel gehüllt, als Andeutung einer Grotte, in der rechten oberen Ecke jedoch ein kleiner Ausblick in eine hellere gebauschte Wolkenzone. Das äußerst seltene attributive Motiv der hebräischen Schriftrolle des Alten Testaments hat der Maler bewusst als Ausdruck des zeittypischen Konflikts mit der Reformation gesehen. Nachdem der hebräische Bibeltext bereits ins Griechische und Latein übersetzt wurde und als verbindliche „Vulgata-Übersetzung“ vorlag, entstand die Auseinandersetzung mit den Vertretern der Reformation, die sich bewusst die Bibelauslegung „Sola Scriptura“, d.h. auf den Urtext, beriefen. Damit steht das Gemälde in engem Zusammenhang mit den Ergebnissen des Konzils von Trient, abgehalten 1545-1563, in dem die Vulgata als verbindlich angesehen wurde. Insofern dürfen wir Riberas Gemälde auch als eine kritische Auseinandersetzung mit den Festlegungen der Kirche sehen. In gutem Zustand.
A.R.

Literatur:
Werkverzeichnis: Nicola Spinosa, Ribera (l'Opera completa), erweiterte Auflage, Neapel 2006, dort weitere Literaturangaben.  (11913313) (5)  (11)


Jusepe de Ribera,
1588/91 Jàtiva, Valencia – 1652 NaplesSAINT JEROME READING SCROLLS Oil on canvas.
120 x 87.5 cm.

Accompanied by an expert's report by Nicola Spinosa dated 8 April 2014, Naples.

The enclosed expert’s report gives comparative examples for works such as Saint Jerome and the Angel, held at the State Hermitage St Petersburg, a painting with the same subject held at the Museo di Capodimonte in Naples, furthermore reference is made to another painting titled Compianto sul Cristo deposto at the Louvre in Paris (mentioned in Spinosa, 2006, no. A69, p. 286). Among further comparative examples the author of the expert’s report also mentions a painting held at the Pinacoteca di Brera in Milan, listed in the catalogue raisonné of 2006, no. A79, p. 291. The painting is of art historical importance due to its iconography: instead of the usual attributes such as the lion or New Testament symbols such as the Bible or a cross, the saint is depicted here seated to the right, while reading Hebrew letters in an opened scroll. The artist chose this very rare attribute of a Hebrew scroll of the Old Testament deliberately as an expression of the contemporary conflict with the reformation typical for the time. After the Hebrew text of the Bible had already been translated into Greek and Latin, a conflict arose between the advocates of the reformation, who deliberately referred to the biblical interpretation “Sola Scriptura”, i.e. the original text. Thereby the painting on offer for sale in this lot is closely linked to the events of the Council of Trent held in 1545-1563, during which the Vulgate translation was considered as binding. In this respect we also can regard Ribera‘s painting as a critical analysis of the regulations of the church. In good condition.

Literature:
Catalogue raisonné: Nicola Spinosa, Ribera (l’opera completa), extended edition, Naples 2006, with further bibliography.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.