» schließen

Unsere Telefonisten kontaktieren Sie ca. 10 Lots vor Aufruf des bebotenen Objekts.
Verfolgen Sie unsere Auktion auch im Live-Stream am Auktionstag ab 10 Uhr, um den Anrufzeitpunkt abzuschätzen.

Telefonisches Bieten bestätigen

 

Impressionisten & Moderne Kunst
Freitag, 25. Juni 2021

» zurücksetzen

Auguste Herbin, 1882 Quievy – 1960 Paris

806
Auguste Herbin,
1882 Quievy – 1960 Paris

PAYSAGE, 1911 Öl auf Leinwand.
45,7 x 54,4 cm.
Rechts unten signiert.
In vegetabil verziertem Holzrahmen mit Textilausschnitt.

Katalogpreis€ 50.000 - 80.000 Katalogpreis € 50.000 - 80.000  $ 60,000 - 96,000
£ 45,000 - 72,000
元 386,000 - 617,600
₽ 4,309,500 - 6,895,200

 

Der französische Künstler Auguste Herbin spielte eine wesentliche Rolle in den künstlerischen Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Seine künstlerische Karriere umfasste Impressionismus und Postimpressionismus, Fauvismus und Kubismus, bevor er durch Konstruktivismus, Purismus und Orphismus eine eher geometrische und strukturelle Kunst anstrebte und schließlich als Pionier der abstrakten Kunst den architektonischen Zweck der Malerei proklamierte. Das vorliegende Werk „Paysage“ ist ein hervorragendes Beispiel für sein wechselndes Interesse und seinen Stil, in dem wir gleichzeitig den farbigen Einfluss des Fauvismus und den modularen Aufbau einer kubistischen Landschaft sehen.

Geboren 1882 in Quiévy, nahe der belgischen Grenze, war Herbin nicht die bürgerliche Erziehung vergönnt, die so vielen seiner Zeitgenossen zuteil wurde. Während seine Eltern in einer Textilfabrik arbeiteten, kümmerte er sich um seine beiden Geschwister. Im Alter von zwölf Jahren verließ Herbin die Schule und arbeitete im Büro eines Gerichtsvollziehers, während er seine Nächte in den städtischen Zeichenkursen verbrachte. In diesen Abendkursen zeigte Herbin ein bemerkenswertes Talent zum Zeichnen; er erlernte die Techniken des Freihandzeichnens und -malens. Diese Fähigkeit brachte ihm bald ein Stipendium an der École des Beaux-Arts in Lille ein (1899-1901), wo Herbins Beherrschung der postimpressionistischen Maltechnik deutlich wurde, zusätzlich zu seiner akribischen Wiedergabe von Wasser und Himmel, die an die flämische Renaissance erinnert.

Herbins Umzug nach Paris um 1902 war ein wirklich entscheidender Moment in seiner Karriere. Nachdem er mehrere Jahre in Isolation gemalt und sich mit den Avantgarde-Bewegungen beschäftigt hatte, begann sich sein Werk zum fauvistischen Stil zu entwickeln. Während seines Aufenthalts auf Korsika im Jahr 1907 wurde dieser besonders ausgeprägt; seine Pinsel und Leinwände aus dieser Zeit sind voll von extravaganten Farben und Ausdrucksformen und zeigen den deutlichen Einfluss der großen Retrospektiven von Van Gogh, Gauguin und Seurat, von denen sich Herbin während seines Aufenthalts in der Hauptstadt des Landes inspirieren ließ. Es ist sicher anzunehmen, dass keine Ausstellung einen größeren Einfluss auf Herbin hatte als die Paul Cézanne-Retrospektive im Salon d’Automne später im Jahr 1907. Es war eine Ausstellung, die die jüngeren Künstler in radikale Richtungen drängte, von wo aus sie später den Modernismus enthüllen und erforschen sollten. Dadurch wurde Herbins Interesse am Kubismus geweckt und er begann zu experimentieren. 1909 zog er in die Bateau-Lavoir-Ateliers, die von Picasso, Braque und Gris frequentiert wurden, und tauchte voll und ganz in die Geburt des Kubismus und des Synthetischen Kubismus ein und verbrachte einen Großteil seiner Zeit mit den drei Künstlern. Herbins Stil des Kubismus blieb jedoch einzigartig, er behielt die Lebendigkeit seiner hellen, kraftvollen fauvistischen Landschaften bei und wählte stattdessen eine Verschmelzung der Farbe mit der düsteren Palette, die die frühen kubistischen Werke dominierte. Darüber hinaus behalten seine Formen ihre Präzision und werden eher abgeflacht und geometrisiert, als dass sie völlig dekonstruiert werden. Diese erfinderische Herangehensweise an die kubistische Landschaft schuf einige seiner dynamischsten Werke und zementierte ihn als einen Pionier des Kubismus.

Das vorliegende Werk ist ein Schlüsselbeispiel für den Einfluss, den Herbin aus diesen grundlegenden Momenten der Kunstgeschichte zog. Wir können deutlich die strukturierte Form erkennen, für die er sich entschieden hat, mit der Leinwand, die von links nach rechts durch die gerade Straße halbiert wird, und der Vielzahl verschiedener Komponenten, die sich von diesem zentralen Konstrukt aus verzweigen. Wenn wir die Baumreihe am Straßenrand betrachten, die den Betrachter in die Ferne führt, stellen wir sofort eine Verbindung zu der Modulation her, die zu einem so bestimmenden Merkmal von Cézannes Methode wurde. Auf seine eigene, einzigartige strukturelle Art und Weise hat sich Herbin jedoch dafür entschieden, den Baum mit festen Linien zu konstruieren, die sich in Form von Chevrons durch die Baumkronen ziehen und sich von dem viel wilderen und natürlicheren Bild lösen, das Cézanne verwenden würde. Man ist auch versucht, einen Vergleich zwischen der oberen rechten Ecke des Himmels und dem entfernten Mont Sainte-Victoire zu ziehen, dessen schneebedeckter Gipfel auf einem blaugrauen Abhang sitzt, vielleicht eine Hommage an eine seiner großen Inspirationen. Wie Anatole Jakovski bemerkt: „Die Bäume selbst, ihre üppigen Blätter bilden seltsame magnetische Zeichnungen, konzentrische Wellen von Farben, die deutlich heller, noch kraftvoller werden, die nur ihren eigenen, von Herbin diktierten und von ihm gefundenen Rhythmen gehorchen... So schreitet seine Kunst unaufhörlich zur integralen Geometrie, zur absoluten Wahrheit, kraftvoll und energisch voran“ (A. Jakovsky, Paris 1933, S. 16).

Provenienz:
Privatsammlung seit 1993.
Auktion, Drouot-Richelieu, Paris, 21. April 2000, Lot 38.
Nick Scheeres Collection, Niederlande.
Im Jahr 2006 dort vom Vorbesitzer erworben.
Bonhams, 28. Februar 2019, Lot 46.

Literatur:
Geneviève Claisse, Herbin: Catalogue raisonné de l’oeuvre peint, Lausanne 1993, Nr. 232 (abgebildet Seite 320).
Anatole Jakovsky, Auguste Herbin, Paris 1933.

Ausstellung:
Paris, Galerie Clovis Sagot, Auguste Herbin, März 1914, Nr. 12. (1270371) (13)


Auguste Herbin,
1882 Quievy – 1960 Paris
LANDSCAPE, 1911
Oil on canvas.
45.7 x 54.4 cm.
Signed lower right.

Provenance:
Private collection since 1993.
Auction, Drouot-Richelieu, Paris, 21 April 2000, lot 38.
Nick Scheeres Collection, The Netherlands.
Purchased there by previous owner in 2006.
Auction Bonhams, 28 February 2019, lot 46.

Literature:
G. Claisse, Herbin, Catalogue raisonné de l’oeuvre peint, Lausanne 1993, no. 232 (ill. p. 320).
A. Jakovsky, Auguste Herbin, Paris 1933.

Exhibition:
Paris, Galerie Clovis Sagot, Auguste Herbin, March 1914, no. 12.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

 

Objekte die Sie auch interessieren könnten

HAMPEL FINE ART AUCTIONS — one of the leading auction houses in Europe