Friday, 25 June 2004

Auction June Auction Part I.

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Detailabbildung: Tilmann Riemenschneider

Lot 443 / Tilmann Riemenschneider

443
Tilmann Riemenschneider

Christus Corpus, um 1500 Kompositionell und in seiner Stilprägung steht diesem Corpus ein eigenhändiges Werk Tilmann Riemenschneiders am nächsten, nämlich der Kruzifix des um 1599 zu datierenden Detwanger Kreuzaltars. Vgl. auch: Der Heroldsberger Kruzifixus (Heroldsberg b. Nürnberg, ev.-luth. Pfarrkirche St. Matthäus) Dreinageltypus von schlank gestreckter Proportion, das Haupt nach rechts geneigt. Sehr schmales Gesicht, nach unten spitz zulaufend, flache Wangen, Falten seitlich der Nase (Labialfalten). Dichte Dornenkrone, vorne gebunden. Fein geschnittenes Haupthaar, seitlich frei gewundene Haarsträhne, oben am Brustkorb aufliegend. Über der Oberlippe aussetzender Bart, welliger Kinn- und Backenbart. Kräftig betonter Brustkorb mit leicht akzentuierten Rippen, aus Holz eingesetzte Brustwarzen, tief geschnittene Seitenwunde. Der Leib unterhalb der Hüfte stark eingezogen, flach modelliert. Lendentuch in feinen Gratfalten weit unter der Hüfte schräg drapiert, von der Mitte ausgehend die beiden Enden des Lendentuchs wirbelig gedreht mit abstrahierenden Flächen und tiefschnittigen falten, an den Oberschenkeln aufliegend. Über dem linken Teil des Lendentuches durchgezogener Bausch vor Ast. Arme über das Haupt leicht erhoben, stark gestreckt; Hände um die Nagelwunden gekrallt, betonte Ellbogen, plastisches Aderngeflecht. Schlank gestreckte Beine, Unterschenkel nach rückwärts durchgedrückt, der rechte Fuß über den Linken vorgesetzt. Lange dünne Unterschenkel mit Aderngeflecht. Laubholz, vollrund geschnitzt. H.: 96 cm (Kopf-Fuß 91 cm). B.: 76 cm. Guter Erhaltungszustand. Reste einer älteren Fassung am Rücken und rückseitig an den Armen erhalten. An der rechten Hand fehlen die Vorderglieder des Zeige- und Ringfingers, die Fingerkuppe des Mittelfingers und an der linken Hand die Fingerkuppen des Zeige- und Mittelfingers, Zehen des rechten Fußes bestossen, am linken Fuß Ausbruch. Eingesetzte Keile in beiden Achselhöhlen, Spitze des rechten Lendentuchzipfels ergänzt. “Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kruzifix-Corpus von einem eng mit Riemenschneider zusammenarbeitenden Schnitzer der Werkstatt stammt und dass Riemenschneider für diese Arbeit bezahlt worden ist. Kennzeichnend ist die überaus schlanke, gestreckte Körperproportion, die sensible schnitzerische Gestaltung der Oberfläche des um 1500 - 1510 zu datierenden Corpus.“ Gutachten: Dr. Alfred Schädler, München, 15.12.1997. “Der Tod auf Golgotha vermittelt sich über den Gekreuzigten als notwendiger Teil des Erlösungswerkes, als ein transitorisches Ereignis; in der Gestalt deutet sich an, dass Christus aus dem Leiden unversehrt als Sieger über den Tod hervorgeht.“ Ausst. Kat. Würzburg 1981 über den “Heroldsberger Kruzifixus“, S. 58 f. Literatur: Alfred Schädler, Zu Tilman Riemenschneiders Kruzifixen, Artibus et historiae, Nr. 24 (XII), 1991, S. 37-51 Ausst. Kat. Würzburg 1981, Tilman Riemenschneider - Frühe Werke, S. 56-72, Kat. Nr. 7,8,9. (542801)

Catalogue price € 240.000 - 290.000

 

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