Friday, 5 December 2003

Auction December Auction Part I.

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Detailabbildung: Pieter Brueghel der Jüngere 1564 - 1638 Antwerpen

Lot 841 / Pieter Brueghel der Jüngere 1564 - 1638 Antwerpen

841
Pieter Brueghel der Jüngere 1564 - 1638 Antwerpen

Der Hochzeitstanz im Freien

Catalogue price € 120.000,-

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Öl / Holz, 41 x 58,2 cm

Nicht parkettiert. Gerahmt.

Expertise: Dr. Klaus Ertz, Autor des zweibändigen Werksverzeichnisses: “Pieter Brueghel der Jüngere, die Gemälde im kritischen Oevrekatalog Bd. I und Bd. II“. Inhalte aus der 14-seitigen Expertise von Dr. Klaus Ertz:

1. Eigenhändiges Werk von Pieter Brueghel: Das zu begutachtende Gemälde ist nicht in meinem Oevrekatalog der Gemälde von Pieter Brueghel d.J. verzeichnet. In einem für die fernere Zukunft geplanten Addendum werde ich diesen “Hochzeitstanz im Freien“ als eigenhändiges Werk von Pieter Brueghel d.J., wahrscheinlich nach 1616 in Antwerpen entstanden, aufnehmen.

2. Diese Version gehört zu den qualitätvollsten Bildern dieses Themas Die Stilmerkmale, die für Pieter Brueghel d.J. charakteristisch sind, finden sich auch in dem zu begutachtenden Gemälde wieder. Diese Version gehört in ihrer hohen malerischen Perfektion, in ihrer Pinselschrift, die jedem einzelnen Detail bis ins Feinste nachspürt, zu den qualitätvollsten Bildern dieses Themas.

3. Dies Gemälde gehört zu der Gruppe der seitenverkehrten Gemälde Die existierenden Gemälde “Hochzeitstanz im Freien“ sind in zwei Gruppen einzuteilen: in eine größere Gruppe, die seitenverkehrt zum Stich des Pieter van der Heyden ( Kupferstecher in Antwerpen 1530-1572 letzte Erwähnung in den Aufzeichnungen über sein Leben) ist und der das zu begutachtende Gemälde angehört und eine kleinere, die seitenrichtig die Darstellung des Stiches wiedergibt.

4. Entstehung des Themas zwischen 1607 und 1626 Der Künstler hat Gemälde dieses Themenkreises in der Zeit von 1607 bis 1626 gemalt, wie wir aus signierten und datierten Gemälden wissen. Meiner Meinung nach stammt das zu begutachtende Gemälde ebenfalls aus der späteren Zeit ( nach 1616 ), in der die überwiegende Mehrzahl dieser Hochzeitstänze entstanden sind.

5. Kein Zweifel an der Zuschreibung an Pieter Brueghel Obwohl das zur Begutachtung stehende Gemälde weder signiert noch datiert ist, besteht meiner Meinung nach an der Zuschreibung des Bildes an Pieter Brueghel d.J. kein Zweifel. Zur Bekräftigung dieser Zuschreibung verweise ich auf weitere sichere signierte und datierte Originales des Künstlers, die aus dem selben Themenkreis stammen: a) Baltimore, Walters Art Gallery, Inv. Nr. 37.364 Holz, 41 x 58 cm signiert und datiert u.l.: P.BRUEGHEL 1607 Literatur: Ertz 2000, Kat. E 916, Ft. 559, S. 676 b) Brüssel, Musée Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Inv. Nr. 872 Holz 39 x 52 cm signiert und datiert u.r. P.BRUEGHEL 1607 Literatur: Ertz 2000, Kat. E 917 mit Abb. c) Narbonne, Musée des Beaux-Arts, Inv. Nr. 597 Holz, 40 x 56 cm signiert und datiert u.l.: P.BRUEGHEL 1620 Literatur: Ertz 2000, Kat. E 921 d) New York, Christie’s, 11.1.1991, Nr. 33 Holz, 40 x 56,5 cm signiert und datiert u.l. P.BRUEGHEL 1621 Literatur: Ertz 2000, Kat. E 923 e) London, Gal. Green 1996 Holz, 40,6 x 56,7 cm Signiert und datiert u.l.: P. BRUEGHEL 1623 Literatur: Ertz 2000, Kat. E. 925, Ft. 566, S. 677

6. Vorbild für des Thema “Hochzeitstanz im Freien“ Für das Thema “Hochzeitstanz im Freien“ standen Pieter Brueghel d.J. zwei Vorbilder zur Verfügung: a) Pieter Brueghel der Ältere “Der Hochzeitstanz im Freien“ Detroit, Institute of Arts Holz, 119 x 157 cm Signiert und datiert: 1566 Literatur: Ertz in: AK Essen/ Wien 1997, Abb. 3, S. 126; Ertz 2000, Bd. 2, Ab. 541, S. 665. b) Pieter van der Heyden nach Pieter Brueghel d.Ä. “Der Hochzeitstanz im Freien“ Kupferstich Literatur: Ertz in: AK Essen/ Wien 1997, Abb. 2, S. 126; Ertz 2000, Bd. 2, Abb. 542, S. 665.

7. Hervorragende Erhaltung des Gemäldes Der Erhaltungszustand dieses Bildes ist als ganz hervorragend zu bezeichnen. Die Farben machen einen leuchtenden und frischen Eindruck. Übermalungen oder sonstige, den Gesamteindruck beeinträchtigende Restaurierungen konnte ich ohne Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel mit bloßem Auge nicht ausmachen. Die Farbschichten, in Lasurtechnik in mehreren Schichten aufgetragen, sind in hervorragendem Zustand erhalten. Die im letzten Arbeitsgang aufgetragenen Weißhöhungen bilden ein “Relief“, das man sehr gut mit den Fingerspitzen fühlen kann. Ich sah das Bild vor und nach seiner Reinigung.

8. Bildbeschreibung und Bilderläuterung Der Betrachter schaut von leicht erhöhtem Standpunkt auf eine tanzende Hochzeitsgesellschaft, die sich unter Bäumen im Hof eines Hauses verlustiert. Über die Breite des Vordergrundes drehen sich vier Paare temperamentvoll im Tanz. Rechts vom Bildrand zwei sich schlangengleich nach oben windende Bäume, dessen Baumkronen vom oberen Bildrand überschnitten werden. Am unteren Stamm des linken Baumes lehnen zwei Dudelsackpfeifer, die den Hochzeitsgästen zum Tanz aufspielen. Erstaunlich ist, dass der vordere der beiden Männer am Treiben vorbei nach rechts aus dem Bild schaut. Halblinks im Vordergrund steht ein weiterer Baum, um den sich ausgelassen tanzende, trinkende, lachende, sich umarmende und küssende Menschen versammelt haben.
Links im Bild, vom oberen und linken Bildrand überschnitten, ein Haus, aus dessen Türe weitere Menschen ins Freie strömen. Links davor zwei buschähnliche Bäume. Zwischen Büschen und Haustür schlagen zwei Männer ihr Wasser an der Hauswand ab. Rechts vor diesem Haus, in oberer Bildmitte, die sitzende Braut vor einem Tisch, auf dem ein Teller mit Geldmünzen steht. Rechts und links neben der Braut zwei weitere Frauen, die gebannt auf den Teller blicken, auf den ein rechts am Tisch stehender Mann gerade eine weitere Münze legt. Hinter der Braut zwei weitere Bäume, zwischen denen ein helles Tuch gespannt ist, vor dem eine Krone angebracht ist, die direkt über der Braut hängt. An beiden Seiten des Tisches weitere Gäste, die vornüber gebeugt und neugierig auf den Geldteller starren. Während sich das Interesse der Hochzeitsgäste um den Geldteller dreht, sitzt die Braut mit einem wie starr erscheinenden Lächeln zwischen ihnen. Im Hintergrund des Bildes zieht sich ein schmaler Streifen Wald hinter der Hochzeitsgesellschaft und führt hinter einem kleinen Holzhäuschen vorbei, das rechts hinter der Braut im Wald steht und vor dem drei Personen zu erkennen sind. Rechts daneben ein weiteres tanzendes Paar, zwei sich unterhaltende Männer und eine urinierende Frau rechts am Bildrand. Über diesem Wald ist ein kleines Stück Himmel sichtbar.

9. Zum Maler Pieter Brueghel der Jüngere und seine Bedeutung Er wird 1564 in Antwerpen als Sohn des berühmten Pieter Brueghel der Ältere geboren und ist der Bruder von Jan Brueghel d.Ä. 1584/85 wird er in die St. Lukasgilde Antwerpen eingetragen. Er stirbt 1637/38 im Alter von 73 Jahren in Antwerpen. Innerhalb der Brueghel-Dynastie ist Pieter Brueghel d.J. derjenige, der die vom Stammvater Pieter Brueghel d.Ä. begründete Kunst am getreuesten und intensivsten weitergeführt hat. Eine der wichtigsten Bedeutungen des Malers Pieter Brueghel d.J., die heute gern übersehen wird, liegt in der Vermittlerfunktion zwischen väterlichem Werk und bis heute ungebrochener Popularität dieses Werkes. Daneben sind vor allem seine späten Kompositionen ab 1615 wichtig, weil sie seine beginnende Eigenständigkeit im bildnerischen Gestalten darlegen. Die Quelle für viele Gemälde des Sohnes, zu denen auch das zu Begutachtende gehört, liegt im Werk des Vaters, Pieter Brueghels d.Ä. (1528/30 - 1969). Ich bin mir absolut sicher, dass der Vater im Urteil der Nachwelt nicht das von allen bewunderte Über-Genie geworden wäre, wenn es diesen Sohn nicht gegeben hätte, der die Kunst des Vaters der Nachwelt erst nahe gebracht hat. Literatur: Klaus Ertz: Pieter Brueghel der Jüngere, 1564-1637/38) Die Gemälde mit kritischem Oevrekatalog, Bd.1 u. Bd.2, Lingen 1988/2000 Fritz Grossmann: Brueghel, Die Gemälde, London 1955 Gotthard Jedlicka: Pieter Brueghel, Zürich 1938.

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