Wednesday, 1 July 2015

Auction Sculpture and Works of Art

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Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand
Detailabbildung: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand
Detailabbildung: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand
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Detailabbildung: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand
Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand

Lot 152 / Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand

Detail images: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand Detail images: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand Detail images: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand Detail images: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand Detail images: Giovanni Antonio Amadeo, 1447 Pavia - 1522 Mailand

152
Giovanni Antonio Amadeo,
1447 Pavia - 1522 Mailand

MADONNA MIT KIND, um 1470 58 x 46 cm.
Rahmenmaß: 71 x 53,5 cm.

Catalogue price € 100.000 - 150.000 Catalogue price€ 100.000 - 150.000  $ 113,999 - 170,999
£ 89,000 - 133,500
元 777,000 - 1,165,500
₽ 7,567,000 - 11,350,500

 

Wir danken Giancarlo Gentilini und David Lucidi für diesen Katalogbeitrag.

Hochrelief in Marmor. Dieses elegante Marmorrelief stellt die Heilige Jungfrau dar. Ihre Haltung ist harmonisch, der Gesichtsausdruck sanft und aristokratisch, die Darstellung des Gesichts rein und einfach. Die Kleidung ist keusch und zart verziert, der Faltenwurf weich. Die Gottesmutter versucht das lebhafte, nackte Kind auf ihrem Arm zu halten; ihre Hände umfassen es liebevoll und heben das Jesuskind mit feingliedrigen, leicht angewinkelten Fingern so, dass es scheint, sie wolle es dem Betrachter zur Anbetung darbringen. Der kleine Heiland sitzt auf dem Schoß seiner Mutter auf dem Saum ihres Mantels, die Beine in jener verkürzten Perspektive, die auf ein antikes Modell zurückgeht und typisch für Darstellungen der Frührenaissance ist. Er scheint sich den Gläubigen entgegenstrecken zu wollen, wie seine leicht dem Betrachter zugewandte Körperhaltung und seine kleinen, ausgestreckten Arme einladend anzudeuten scheinen.
Das Werk stellt einen wichtigen Baustein bei der Rekonstruktion des frühen Schaffens des bekannten, in Pavia geborenen Bildhauers Giovanni Antonio Amadeo dar. Er selbst und auch der Maler Vincenzo Foppa profitierten besonders von dem entscheidenden Einfluss der Renaissance auf die lombardische Kunst zum Ende der 70er Jahre des 15. Jahrhunderts, während der Regierungszeit des „aufgeklärten“ Galeazzo Maria Sforza. Amadeo war ein vielseitiger Künstler. Er war bekannt für seine Marmorarbeiten, aber auch ein gefragter Architekt. Seine Terrakotta-Keramiken waren ebenso beliebt wie seine Holzschnitzereien. Seine Lehrjahre (1460 - 1466) verbrachte Amadeo in Mailand im vielseitigen Atelier der Brüder Giovanni, Giuniforte und Francesco Solari. Er arbeitete an allen wichtigen Bauten der Sforza, wie dem Ospedale Maggiore, dem Ca’ Granda, dem Mailänder Dom, der Franziskus-Kirche von Piacenza und der Kartause von Pavia mit.
Die Frühwerke dieses Künstlers wurden erst vor kurzem anerkannt. Es handelt sich hier um eine kleine Anzahl von Werken aus dem Jahr 1466, die Amadeo zusammen mit dem jüngsten Bruder, Francesco Solari, anfertigte. Es handelt sich hierbei um einen der vier „Engelskerzenhalter“ aus Keramik, die für das Ospedale Maggiore in Mailand bestimmt waren (heute zu sehen in der Sammlung für antike Kunst im Castello Sforzesco) und die drei tönernen Lünetten mit dem Erzengel Gabriel, der Verkündigung und der Samariterin am Brunnen, die für das Becken des kleinen Kreuzgangs der Kartause von Pavia geschaffen wurden (Galli, 2003; Cavazzini, 2004, S. 146 - 147; Id., 2013; Morscheck, 2013). All diese Arbeiten bereiten den Ausdruckswandel in Anlehnung an die beginnende Renaissance vor. Die Machart ist sensibel und zart modelliert, die Anatomie wird bewusst und eine räumliche Definition der Darstellung entwickelt sich.
Das hier vorliegende Werk passt genau in diese frühe Zeitperiode Amadeos. Dies erkennt man gut, vergleicht man das Jesuskind mit den Köpfen und den Kindesdarstellungen, die zwischen 1464 und 1468 im Atelier der Brüder Solari als Ornamente für das Portal der Kirche San Francesco in Piacenza entstanden oder mit den Gewölbeanläufern im kleinen Kreuzgang der Kartause von Pavia, wo die Gesichter den selben leicht schmollenden Ausdruck haben. Ähnlich sind auch die übertriebene Dicke der Bäckchen, die auffallende Form der Augen und die angeschwollen wirkenden Augenlider. Zugleich sind der flache, gespannte und unterbrochene Faltenwurf des Kleides der Madonna, ihre friedvolle Empfindsamkeit und ihre einstudiert wirkende Haltung Elemente, die eine Abkehr von dem empirischen, übertrieben Naturalismus des Ateliers der Brüder Solari darstellen und auf die ersten autonomen Werke von Amadeo um 1470 hindeuten: so die Marmorlünette „Vergine con il Bambino, due Santi e monaci certosini“ des Eingangs zum kleinen Kreuzgang der Kartause von Pavia (Cavazzini, 2004), die „Madonna con il Bambino e angeli cantori“ der Arcifraternita della Misericordia in Florenz (Gentilini, 1981) - beide sind signiert - sowie die kleine „Madonna col Bambino“ im Victoria and Albert Museum in London (Cavazzini, 2003) und die „Madonna col Bambino, Santa Caterina e un monaco Certosino“ aus bemalter Terrakotta (im Museo d'Arte Antica im Castello Sforzesco in Mailand), die wahrscheinlich ebenfalls für die Kartause von Pavia geschaffen wurde (Barbieri, 2015).
Mit diesem Werk, dessen Echtheit im Zuge der Ausstellung Arte lombarda dai Visconti agli Sforza (Mailand 2015) erneut bestätigt wurde, weist unser Marmorrelief viele Ähnlichkeiten auf. Man könnte fast meinen, es handle sich hier - da auch zeitlich durchaus möglich - um ein ebenfalls aus der Bauphase der Kartause von Pavia stammendes Werk. Die Haartracht der beiden Madonnen ist ähnlich. Das Haar fällt glatt und wird von einem Schleier gehalten. Auch die Physiognomie scheint identisch: eine hohe, gerundete Stirn sowie feine, einfache Züge und ein sanfter, freundlicher Gesichtsausdruck. Der Faltenwurf der Kleidung ist ebenfalls ähnlich, mit kleiner Fältelung und spitzen Querfalten; am auffallendsten ist jedoch die Anatomie der feingliedrigen, beweglichen Hände, deren Bewegungen vom Handgelenk ausgehen. Die Fingerhaltung ist typischerweise leicht gebeugt. Letztere Eigentümlichkeit ist kennzeichnend für den Stil Amadeos und ist bereits bei den Engeln der „Annunciazione“ für die Kartause von Pavia erkennbar, jedoch auch bei dem „Santo vescovo“ in der Lünette des kleinen Kreuzgangs des Gebäudes und bei der reiferen Darstellung der „Virtù“, die der Meister zwischen 1470 und 1475 aus Marmor für die Cappella Colleoni in Bergamo schuf. Rest. Minimal besch.

Literatur:
Vgl. Francesco Malaguzzi Valeri, Giovanni Antonio Amadeo, Florenz, 1904. Vgl. G. A. Dell'Acqua, Problemi di scultura lombarda: Mantegazza e Amadeo, in „Proporzioni“, II, 1948, S. 89-105, III, 1950, S. 123-140.
Vgl. Giancarlo Gentilini, in: M. Bietti Favi, G. Gentilini, F. Niccolai, La Misericordia di Firenze, archivio e raccolta d’arte, Florenz, 1981, S. 257-258, Nr. 59.
Vgl. Laura Cavazzini, in: Vincenzo Foppa, Ausstellungskatalog Brescia, Museo Civico di Santa Giulia, 3. März - 30. Juni 2002, G. Agosti, M. Natale, G. Romano (Hrsg.), Mailand, 2003, S. 164, Nr. 37.
Vgl. A. Galli, Ibidem, S. 162-163, Nr. 36.
Vgl. Laura Cavazzini, Il crepuscolo della scultura medievale in Lombardia, Florenz, 2004.
Vgl. Laura Cavazzini, Il giovane Amadeo e la terracotta, in Terrecotte nel Ducato di Milano. Artisti e cantieri del primo Rinascimento, atti del convegno di studi (Mailand - Certosa di Pavia, 17.-18. Oktober 2011), M. G. Albertini Ottolenghi (Hrsg.), Mailand, 2013, S. 59-70.
Vgl. Charles Morscheck, Francesco Solari e Giovanni Antonio Amadeo: sculture in terracotta, 1464-1469, Ibidem, S. 71 -85.
Vgl. A. Barbieri, in: Arte lombarda dai Visconti agli Sforza. Milano al centro dell'Europa, Ausstellungskatalog Mailand, Palazzo Reale, 12. März - 28. Juni 2015, M. Natale, S. Romano (Hrsg.), Mailand, 2015, S. 92-95, Nr. IV.22. (1012181)


Giovanni Antonio Amadeo,
1447 Pavia - 1522 Milan

MADONNA AND CHILD, ca. 1470

58 x 46 cm.
Frame dimensions: 71 x 53.5 cm.

We would like to thank Giancarlo Gentilini and David Lucidi for this catalogue entry.

Marble high relief. This elegant marble relief depicts the Blessed Virgin. Her posture is balanced, her facial expression gentle and noble, the rendering of her face pure and simple. Her attire is decorated virtuously and delicately with softly falling folds. The Blessed Mother tries to hold the lively, naked child in her arms; her hands embrace Baby Jesus lovingly and lift it with slender, slightly bent fingers as if she would like to offer it for worship to the beholder. The little saviour is sitting on his mother’s lap, on the hem of her cloak, his legs in a shortened perspective, which dates back to an antique model and is typical for Early Renaissance depictions. It looks as though he wants to reach out to the believers, as his posture, slightly facing the beholder and his little, outstretched inviting arms seem to suggest.
The work presents an important component in reconstructing the early oeuvre of the famous Pavia-born sculptor Giovanni Antonio Amadeo. He himself and also the painter Vincenzo Foppa particularly benefitted from the vital Renaissance influence on Lombardic art towards the end of the 1470s, during the reign of the “enlightened” Galeazzo Maria Sforza. Amadeo was a versatile artist. He was famous for his marble works, but also a sought-after architect. His terracotta ceramics were as popular as his wood carvings. Amadeo spent his years of apprenticeship (1460-1466) in Milan in the versatile workshop of the brothers Giovanni, Giuniforte and Francesco Solari. He worked on all the Sforza’s important edifices such as the Ospedale Maggiore (also known as the Ca’ Granda), the Milan Cathedral, the Church of Saint Francis in Piacenza and the Certosa di Pavia, a Carthusian monastery.
The artist’s early works have only been recognized recently. They are a small number of works from 1466 that Amadeo created with the youngest brother Francesco Solari. They include one of the four ceramic “angel candle holders” intended for the Ospedale Maggiore in Milan (today shown at the collection for antique art at the Sforza Castle) and three terracotta lunettes with the archangel Gabriel, the Annunciation and the Samaritan woman at the well created for the basin of the small cloister of the Certosa di Pavia. (Galli, 2003; Cavazzini, 2004, pp. 146 - 147; Id., 2013; Morscheck, 2013). All these works prepare the stylistic change of emerging Renaissance art. The styling is modelled sensitively and delicately with an awareness of anatomy and an evolving three-dimensional definition of the depiction.
The present work perfectly corresponds with this early period of Amadeo’s work. This can easily be perceived when comparing the Christ Child with other depictions of children’s heads created in the workshop of the Solari Brothers as ornaments for the Portal of the Saint Francis Church in Piacenza between 1464 and 1468, or with the vault capitals in the small cloister of the Certosa di Pavia, where the faces have the same slightly sulky expression. The small exaggerated fat cheeks, the striking shape of the eyes and the seemingly swollen eyelids. At the same time, the flat, tense and interrupted fall of the folds of the Virgin’s dress, her peaceful sensitivity and her seemingly rehearsed posture are elements that illustrate the departure from the empirical, excessively naturalistic works of the Solari Brothers workshop and point towards Amadeo’s first autonomous works around 1470: such as the marble lunette “Vergine con il Bambino, due Santi e monaci certosini” of the entrance to the small cloister of the Certosa di Pavia (Cavazzini, 2004), the “Madonna con il Bambino e angeli cantori” of the Arcifraternita della Misericordia in Florence (Gentilini, 1981) - both are signed - as well as the small “Madonna col Bambino” at the Victoria and Albert Museum in London (Cavazzini, 2003) and the “Madonna col Bambino, Santa Caterina e un monaco Certosino” made of polychrome terracotta (at the Museo d’Arte Antica im Castello Sforzesco in Milan), that were probably created for the Certosa di Pavia (Barbieri, 2015).
Our marble relief shows many similarities with this work, whose authenticity has again been confirmed in the course of the Arte lombarda dai Visconti agli Sforza exhibition (Milan 2015). It almost seems as though this is also a work from the construction phase of the Certosa di Pavia, which is also quite possible chronologically. The hairstyle of both Madonnas is similar. The hair is falling smoothly and is held by a veil. The physiognomy too seems identical: a high, rounded forehead and fine, simple features and a gentle, friendly countenance. The fall of the dress folds is also alike, with small folds and pointed lateral folds; the most striking feature however is the anatomy of the slender, flexible hands, whose movements spring from the wrist. It is typical for the fingers to be slightly bent. This last mannerism is characteristic for Amadeo’s style and can already be perceived in the angels of the “Annunciazione” for the Certosa di Pavia, however also in the “Santo vescovo” in the lunette of the small cloister of this building and in the mature marble depiction of “Virtù”, which the master created between 1470 and 1475 for the Cappella Colleoni in Bergamo. Minimal damaged. Rest.


Literature:
Compare Francesco Malaguzzi Valeri, Giovanni Antonio Amadeo, Florence, 1904.
Compare G. A. Dell’Acqua, Problemi di scultura lombarda: Mantegazza e Amadeo, in: Proporzioni, II, 1948, pp. 89-105, III, 1950, pp. 123-140.
Compare Giancarlo Gentilini, in: M. Bietti Favi, G. Gentilini, F. Niccolai, La Misericordia di Firenze, archivio e raccolta d’arte, Florence, 1981, pp. 257-258, no. 59.
Compare Laura Cavazzini, in: Vincenzo Foppa, exhibition catalogue Brescia, Museo Civico di Santa Giulia, 3 March - 30 June 2002, G. Agosti, M. Natale, G. Romano (eds.), Milan, 2003, p. 164, no. 37.
Compare A. Galli, ibidem, pp. 162-163, no. 36.
Compare Laura Cavazzini, Il crepuscolo della scultura medievale in Lombardia, Florence, 2004.
Compare Laura Cavazzini, Il giovane Amadeo e la terracotta, in: Terrecotte nel Ducato di Milano. Artisti e cantieri del primo Rinascimento, atti del convegno di studi (Milan - Certosa di Pavia, 17 - 18 October 2011), M. G. Albertini Ottolenghi (ed.), Milan, 2013, pp. 59-70.
Compare Charles Morscheck, Francesco Solari e Giovanni Antonio Amadeo: sculture in terracotta, 1464 - 1469, ibidem, pp. 71-85.
Compare A. Barbieri, in: Arte lombarda dai Visconti agli Sforza. Milano al centro dell’Europa, exhibition catalogue Milan, Palazzo Reale, 12 March - 28 June 2015, M. Natale, S. Romano (ed.), Milan, 2015, pp. 92-95, no. IV.22.

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