Thursday, 7 April 2016

Auction 16th - 18th century paintings

» reset

Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug.

Lot 205 / Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug.

Detailabbildung: Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug. Detailabbildung: Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug. Detailabbildung: Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug. Detailabbildung: Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug. Detailabbildung: Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug. Detailabbildung: Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“, 1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug.

205
Domenikos Theotokopoulos, genannt „El Greco“,
1541 Candia, Kreta - 1614 Toledo, zug.

VERTREIBUNG DER HÄNDLER AUS DEM TEMPEL Öl auf Leinwand. Doubliert.
173,5 x 142 cm.

Catalogue price € 80.000 - 100.000

 

Unser Dank gilt Herrn Prof. Lionello Puppi, der das Werk anhand einer Fotografie El Greco zuschrieb („in der Zeit des Umzugs von Venedig nach Rom“).

Dem Werk liegt die Auswertung der nichtinvasiven Untersuchung bei, die im Oktober 2014 durchgeführt wurde.

Das vorliegende monumentale Werk gehört zweifellos in die Reihe derjenigen, die schon vielen Kunsthistorikern im Laufe des 20. Jahrhunderts Kopfzerbrechen bereitete: die „italienische Periode“ von El Greco zwischen den Lehrjahren als Ikonenmaler im heimatlichen Kreta und seinen Triumphen in Spanien. Diese Zeit war das Thema vieler Studien, Konferenzen, Ausstellungen und heftiger Auseinandersetzungen zwischen Experten. Nun wird diese Schaffensperiode im Zuge der Retrospektive „El Greco in Italien“ (zu sehen in Treviso bis zum 10. April 2016) wieder aufgegriffen und natürlich rückt somit auch das vorliegende Werk erneut ins Rampenlicht.
Kurzum, nach einer Phase der fast schon extremen Ausreizung des Katalogs der sogenannten italienischen Werke von El Greco im vergangenen Jahrhundert, kam es daraufhin zu einer gewissen Ernüchterung. Man unterteilte die Werke in die „venezianischen Jahre“ (1568 - 1570) und die „römischen Jahre“ (1570 - 1573). Auch wenn vieles heute noch ungeklärt ist, steht fest, dass die in Italien gesammelten Erfahrungen El Grecos verblüffende Metamorphose vom post-byzantinischen „Madonnero“ kretischer Tradition (wie Michael Damaskinos, 1530 - 1592, und Georgios Klontzas, 1540 - 1608, der wahrscheinlich sein erster Lehrer war) zum originellsten, machtvollsten und innovativsten Maler Europas zwischen dem 16. und dem 17. Jahrhundert ermöglichten.
Besonders der Aufenthalt in Venedig, wo El Greco den meisterlichen Umgang mit Ölfarben erlernte, brachte den großen künstlerischen Umschwung innerhalb seines Schaffens. In primis war es der Einfluss von Tizian (um 1488/1490 - 1576), dessen Werkstatt (so behaupten einige zeitgenössische Quellen) er anscheinend frequentierte. Der Einfluss Tizians blieb auch während der römischen Jahre El Grecos spürbar, allerdings gibt es nun auch Anklänge an den Stil Michelangelos (1475 - 1564) und seiner Anhänger wie Federico Zuccari (um 1543 - 1609) und Marcello Venusti (1515 - 1579).
Das vorliegende wichtige Werk verweist auf eine typisch venezianische figurative Malkultur. Der Einfluss Tizians vermischt sich hier mit Vorbildern wie Andrea Muldolla Schiavone (um 1510 - 1563), Jacopo Tintoretto (1518 - 1594), Jacopo da Ponte Bassano (1510 - 1592) und Paolo Veronese (1528 - 1588). Während seines Italienaufenthalts malte Domenikos Theotokopoulos wiederholt die „Vertreibung der Händler aus dem Tempel“, so auch in zwei weiteren kleinformatigen und signierten Versionen, datiert zu Beginn seines Romaufenthalts, auch wenn beide Werke stilistisch eindeutig „venezianisch“ bleiben. Die zwei Gemälde sind heute in der National Gallery of Art in Washington und im Minneapolis Institute of Art zu sehen. Verglichen mit den oben genannten Gemälden ist das vorliegende deutlich größer und vertikal angelegt, wie ein kleines Altarbild. Man könnte daher davon ausgehen, dass es sich hier um ein Werk für die Privatkappelle einer Adelsfamilie handelt. Das Gemälde besitzt außerdem einen besonders fantasievollen komplexen architektonischen Hintergrund, der sich entlang der Mittelachse als lang gestrecktes Kircheninneres entwickelt. Die Brüstung gefiel dem Künstler anscheinend nicht: er versuchte - man erkennt dies mit bloßem Auge - die Gesamthöhe zu verringern - und die Infrarotaufnahmen brachten noch weitere Korrekturen und Überarbeitungen (z.B. die Schnauze des Lamms, der Sack und die Truhe im Vordergrund) zutage sowie die Existenz einer dünn gezeichneten darunterliegenden Vorlage. Der Maler benutzte hier eine Fischgratleinwand, einen für die Malerei des venezianischen Cinquecento ganz typischen Untergrund. Die Ausführungstechnik ist synthetisch und schnell. Die Figuren werden nur angedeutet, besonders die des Hintergrunds, die lang gezogen und ätherisch-gespenstisch wirken, was deutlich an die Malweise Tintorettos erinnert.
August L. Mayer, ein bekannter El Greco Spezialist, dem wir das Bekanntwerden dieses Gemäldes verdanken, ging davon aus, dass es sich hierbei um eine erste Version dieses Sujets von El Greco handeln könnte, die wohl einige Jahre vor den Gemälden in Washington und Minneapolis entstand und verglichen mit diesen weniger subtil, farblich brillant und auch weniger kontrastreich ist. Das vorliegende Werk ist dunkler gehalten im Kontrast zur hellen architektonischen Kulisse und stellt die Wirre des Geschehens dramatisch dar, indem die Figurengruppen sich, ausgehend von der unnatürlich nach links gebeugten Christusfigur, die das Zentrum des Bildes und der Handlung bildet, zentripetal anordnet.
Domenikos Theotokopoulos malte das Thema der „Vertreibung der Händler“ erneut während seiner Jahre in Toledo. Hier entstand gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine erste horizontale Version (diese Fassungen sind heute in der Frick Collection in New York und in der National Gallery in London zu sehen) und eine zweite, fast quadratische Version, die in seinen letzten Lebensjahren entstand und heute im Real Iglesia Parroquial de San Ginés in Madrid aufbewahrt wird. Diese letzte Fassung greift aus der Erinnerung auf die italienischen Vorläufer zurück, die rund 40 Jahre zuvor entstanden waren, und zeigt eine von Andrea Palladio (1508 - 1580) inspirierte Innenansicht, die vage an das Kircheninnere unseres Werks erinnert.

Provenienz:
Sammlung Reus, Katalonien.
Sammlung Contini-Bonacossi, Florenz.
Europäische Privatsammlung.

Literatur:
August L. Mayer, Dominico Theotocopuli, El Greco. Kritisches und illustriertes Verzeichnis des Gesamtwerkes, München 1926, n. 49a.
August L. Mayer, Unbekannte Werke des Greco, „Pantheon“, 5, 1930, S. 179, f. IV.
Robert Longhi, August L. Mayer, Gli antichi pittori spagnoli della collezione Contini-Bonacossi, cat. della mostra, Roma, Galleria Nazionale d’Arte Moderna a Valle Giulia, Mai - Juli 1930, Nr. 32, tav. XXIII.
J. Camon Aznar, Dominico Greco, Madrid 1970, S. 80, fig. 47. (1021121) (21)


Doménico Thetocopoulos, called “El Greco”,
1541 Candia, Crete - 1614 Toledo, attributed

THE EXPULSION OF THE MERCHANTS FROM THE TEMPLE

Oil on canvas. Relined.
173.5 x 142 cm.

We thank Professor Lionello Puppi for his written appraisal based on a photograph of the painting; he also believes the work to be by El Greco (“during the time of [the artist’s] move from Venice to Rome”). He also underlined his intention to include the painting in the exhibition El Greco in Italy. Metamorphosis of a genius curated by him.
The work is accompanied by the report of a non-invasive examination carried out in October 2014.

This important composition speaks to a typically Venetian tradition of figurative painting. Here, the influence of Titian combines with that of artistic role models such as Andrea Schiavone, Tintoretto, Jacopo Bassano and Paolo Veronese.

Provenance:
Reus collection, Catalonia.
Contini-Bonacossi collection, Florence.
European private collection.

Literature:
A. L. Mayer, El Greco. Kritisches und illustriertes Verzeichnis des Gesamtwerkes, Munich, 1926, n. 49a.
Id., “Unbekannte Werke des Greco”, in Pantheon, 5, 1930, p. 179, fig. IV.
R. Longhi, A. L. Mayer, Gli antichi pittori spagnoli della collezione Contini-Bonacossi, exhibition catalogue, Rome, Galleria Nazionale d’Arte Moderna a Valle Giulia, May - July 1930, no. 32, plate XXIII.
J. Camon Aznar, Dominico Greco, Madrid 1970, p. 80, fig. 47.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.