jeudi, 26 juin 2014

Vente Tableaux du XVI - XVIII siècle

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Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig

Lot 230 / Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig

Detailabbildung: Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig Detailabbildung: Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig Detailabbildung: Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig Detailabbildung: Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig Detailabbildung: Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig Detailabbildung: Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig Detailabbildung: Francesco Guardi, 1712 Venedig – 1793 Venedig

230
Francesco Guardi,
1712 Venedig – 1793 Venedig

VENEZIANISCHE VEDUTE MIT BLICK AUF DEN CANAL GRANDE MIT KIRCHENGEBÄUDEN Öl auf Leinwand. Doubliert.
59 x 94 cm.

Prix de catalogue € 80.000 - 120.000

 

Die breitformatige Venedig-Vedute bietet den Blick auf die seitlich zur Mitte nach hinten ziehenden Häuserreihen mit Palästen und Kirchen von der Mitte des Kanals aus gesehen. Auf dem ruhigen Kanalwasser mehrere Gondeln, im mittleren Zentrum kleines einmastiges Schiff mit zwei gehissten, weißen Segeln, die in ihrer Leuchtkraft mit den darüber hinwegschwebenden, belichteten Wolken vor blauem Firmament korrespondieren. Weitere Gondeln liegen an den Ufertreppen an, auf den Uferwegen reiche Figurenstaffage. Der Blick ist Richtung Mestre gerichtet, links sind der hohe Säulenportikus mit ansteigender Treppe sowie die hohen Kuppeln der Kirche San Simeone Piccolo zu sehen, eingebunden in die Fassadenreihe der flankierenden Paläste. Links im Vordergrund zwei dem Betrachter näher liegende kleine Segelschiffe mit eingezogenen Segeln und blauen Wimpeln sowie Figurenstaffage. Die Häuserreihe wird links durch den Palazzo Adoldo fortgesetzt. Rechts am Bildrand die Fassade der Kirche Santa Maria di Nazareth, umgangssprachlich Santa Maria degli Scalzi genannt. Weiter hinten die Kirche Santa Lucia, die heute nicht mehr besteht, da sie 1861 im Zuge des Bahnhofsbaus abgerissen wurde. An der Stelle der Kirche befindet sich heute der Piazzale Roma. In dieser Hinsicht ist das Gemälde von hoher denkmalpflegerischer und stadthistorischer Bedeutung. Der hier gewählte Betrachterstandpunkt wurde vom Maler bewusst so gelegt, dass die Kirchenkuppel links sowie die hochsteigende Fassade rechts als Repoussoir eine Rahmenverklammerung der Kanalvedute insgesamt ergibt. Dabei ist in der Detailausführung die Fassadenausstattung der Kirche Santa Maria besonders aufmerksam vorgeführt, mit Wiedergabe der Nischenfiguren, der Giebelplastik, aber auch der zeitgenössischen Details, wie dem blauen, von oben herabschwingenden Portalvorhang und einem blau-weiß gestreiften Sonnensegel am Balkon des rechts anschließenden Gebäudes. Die zum Kirchenportal die Treppen hochsteigenden Personen sind hier lebensnah wiedergegeben, während sich die Umrisse der Figuren nach hinten zu, der Entfernung entsprechend, auflösen. In einem Kupferstich von Marieschi, Reihe der 21 Venezianischen Veduten, veröffentlicht 1741, die sich im Museo Correr in Venedig befinden, ist die städtebauliche Situation in ähnlicher Weise vorgeführt. Diese Radierungen, veröffentlicht in: R. Toledano, Michele Marieschi, L'opera completa, Mailand 1988, Katalog V, 19, 1 sowie V, 19, 2, entstanden nach zwei Gemälden von Marieschi desselben Sujets, die sich in einer Privatsammlung in Mailand sowie im Philadelphia Museum of Arts befinden. Auch ein von Canaletto geschaffenes Bild, das sich im Windsor Castle befindet, kann hier parallel als eines der weiteren Dokumente der damaligen städtebaulichen Situation gesehen werden. Der Vergleich mit den genannten Beispielen zeigt hier Francesco Guardis Werk in selbstständiger Erscheinung, hier erstmals beide den Kanal flankierenden Ufer dargestellt. Hier nennt der Experte des vorliegendes Gemäldes, Egidio Martini, die Nähe zu den Gemälden "Riva degli Schiavoni" in einer schweizer Sammlung sowie der "Vedute di Cannaregio a Santa Geremia", die sich in der Pinakothek in München befindet (A. Morassi, Guardi, 1973, Figur 384, 413, 551). Ferner führt der Experte aus, dass von vorliegendem Gemälde weitere, jedoch spätere Gemälde existieren, etwa in der Sammlung Thyssen in Lugano sowie in der Akademie in Venedig, publiziert in: Egidio Martini, La Pittura Veneziana del Settecento, 1962, Tafel 292. Der Experte stellt fest, dass es sich bei vorliegendem Gemälde um ein "Unikum" und seltenes Werk von Francesco Guardi handelt. Ferner wird im Gutachten erwähnt, dass das vorliegende Gemälde in einer folgenden Studie behandelt und veröffentlicht wird. Zum Werkvergleich sei ferner genannt, dass sich in der Sammlung Bührle, Zürich, ein dem Gemälde verwandtes Aquarell befindet (Bleistift und Sepia, aquarelliert, 3,75 x 6,25 cm). Vgl. A. Morassi, a. a. O., Band III, Katalog 385, Abbildung 386-387. Ähnliche Ansicht, jedoch aus größerer Distanz gesehen. Egidio Martini ordnet das vorliegende Werk in den Zeitraum Anfang 1745 ein, in Entstehungsnähe des bereits genannten Gemäldes "Piazetta", das sich in der Galerie in der Akademie in Venedig befindet.

Literatur:
Vgl. A. Morassi, Guardi, Venezia, 1993, I, Katalognummer 580, 584, Band II, Abb. 553, 554, 557.

Expertise:
Expertise von Egidio Martini beigegeben. (971433)


Francesco Guardi,
1712 Venice – 1793

Oil on canvas. Relined.
59 x 94 cm.

The paintings shows a foreshortened view of the Canal Grande, which is particularly suggestive but not so common in the 18th century Venetians vedutismo. We can see the last part of the Canal Grande at the end of the town looking towards Mestre, including the facades of the churches of S. Simeone Piccolo on the left, and of the Scalzi and S. Lucia on the right. S. Lucia’s Church was destroyed in 1860 together with all the surrounding buildings until the Scalzi to make room for the railway station built right there and therefore taking its name, “Santa Lucia Station”. The Veduta by Francesco Guardi faithfully renders the atmosphere of quiet lyricism typical of this part of the lagoon, depicting some gondolas and figures walking along the two sides of the Canal. According to Egidio Martini the composition gets its inspiration from an etching by Michele Marieschi of the series of 21 “Vedute Veneziane”, dated 1741 (R. Toledano, Michele Marieschi, Milano 1995, pp. 90-91). However, the real prototype of the Vedute representing this particular view is a painting by Canaletto, which is in the Royal Collections at Windsor Castle, painted at the end of the 1720s. We know other versions of this subject by Francesco Guardi, executed in his characteristic late style and generally dated around 1770-1780. The most famous of these are kept at the Thyssen Collection and the Accademia in Venice. This homogenous group of Vedute presents a more forwarded sight, which excludes the facade of S. Lucia’s Church. Therefore, our painting is the only one in the Guardi’s oeuvre to present this scenographical architecture. It must be dated previously, between 1745-1755, and might be the first version of this subject painted by Guardi. In this period the closeness to Canaletto is still obvious but in our painting his example is already translated into an atmospheric way with fast, fluid and vibrantly bright stokes. The vivacious colorism, the topographical precision and the perspective mastery of our painting reminds us of other works of these years in Guardi’s early maturity like the Piazzetta verso San Giorgio Maggiore at the Museo Civico in Treviso, Santa Maria della Salute a San Gregorio and the Canal Grande a San Geremia at the Museum of Art in Baltimore, La Piazzetta at the Akademie der Bildenden Künste in Vienna, until the Canale di Cannaregio a San Geremia at the Alte Pinakothek in Munich.

Literature:
Compare A. Morassi, Guardi, Venice, 1993, I, catalogue number 580, 584, volume II, pls. 553, 554, 557.
Compare A. Morassi, Op. zit., volume III, catalogue 385, pls. 386-387.

Expert’s report:
An expert’s report by Egidio Martini is enclosed.

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