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Gemälde Alte Meister - Teil I
Donnerstag, 30. Juni 2022

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Jusepe de Ribera, genannt „lo Spagnoletto“, 1588/91 Xàtiva/ Valencia – 1652 Neapel

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Jusepe de Ribera, genannt „lo Spagnoletto“,
1588/91 Xàtiva/ Valencia – 1652 Neapel

APOSTEL ODER EVANGELIST Öl auf Leinwand.
50 x 49 cm.

Katalogpreis€ 100.000 - 120.000 Katalogpreis € 100.000 - 120.000  $ 104,000 - 124,800
£ 90,000 - 108,000
元 699,000 - 838,800
₽ 5,430,000 - 6,516,000

 

Dem Gemälde ist eine ausführliche Expertise von Nicola Spinosa, Napoli, 12. Mai 2022 beigegeben. Das Gemälde wird im kommenden Jahr aufgenommen in der Monographie: Nicola Spinosa, Aniello Falcone e i pittori influenzati da Ribera e attivi a Napoli.

Spinosa weist in seiner Expertise eine Reihe von Vergleichsbildern auf, die dem hier vorliegenden Bildnis nahestehen. So etwa „Hl. Petrus als Büßer“, „Mathäus und der Engel“ oder der „Hl. Andreas im Gebet“.
Was die Datierung des vorliegenden Werkes betrifft, so verweist Spinosa auf die Schwierigkeit der Feststellung, ob es noch zu den letzten Monaten von Riberas Aufenthalt in Rom (1614/15- bis 1615) gehört, oder in den Beginn seines letzten Aufenthaltes in Neapel von 1616-1618 zu setzen ist, als Ribera in der Stiftskirche in Osuna malte.
Letztendlich scheint dem Experten eine Datierung zwischen 1615 und 1616 als überzeugend.
Damit zählt das vorliegende Werk zu den wenigen erhaltenen dieser von Spinosa genannten Schaffungsperiode.

Das bisher unveröffentlichte Gemälde kann hier als eine sensationelle Neuentdeckung für das Werk des bedeutenden Malers Ribera vorgestellt werden. Dementsprechende gut dokumentierte, jüngste Forschungsergebnisse des zuständigen Experten Nicola Spinosa belegen die Autorschaft des Künstlers (s. u).
Es liegt uns hier ein Gemälde vor, das den Kopf eines kräftigen bärtigen Mannes in brauner Kutte zeigt. Das Haupt kahl, dem Betrachter nahe, schräg nach rechts ins Bild gesetzt. Nachdenklich blickt er von seinem offenen Buch auf. Von der Hand, die das Buch hält, ist am unteren Bildrand ein Finger zu sehen. Mit den geöffneten Seiten, die eine Abbildung erkennen lassen, fügt sich das Buch mit hochgeschlagener Seite kompositionell überlegt in die rechte untere Ecke ein. Das Bildnis zeigt die meisterliche Handschrift des genannten Malers, mit allen Aspekten, die seine malerische Charakteristik ausweisen, wie die bräunlich-goldene Farbgebung, die Lichtreflexe, bis hin zur überzeugenden psychologischen Erfassung,
Die Identifizierung des Dargestellten stößt an Grenzen, da eindeutige Attribute fehlen und man auf Ähnlichkeiten mit weiteren Bildnissen von Heiligen, Aposteln oder Evangelisten im Werk Riberas zurückgreifen muss. Das Buch mag vornehmlich an einen Evangelisten denken, etwa Matthäus oder Markus, die ebenfalls in vorgeschrittenem Alter und kahlköpfig gezeigt wurden. Möglicherweise haben wir es hier mit einem Gemälde der kastilianisch genannten Serie der „Apostolado“ zu tun, die Ribera in seiner langen Karriere zu verschiedenen Zeiten schuf. Erstmals zwischen 1609 und 1610 zu Beginn seines Aufenthaltes in Rom (Spinosa 2008, S. 303 f.). Eine zweite Serie entstand im Auftrag von Pedro Cosida von Saragossa, den Vertreter des spanischen Königs beim Papst. Vier Bilder dieser Serie finden sich in der Fondazione Roberto Longhi in Florenz. Weitere Serien entstanden bis in die späten 1630er Jahre.
Wie durchdacht die Komposition insgesamt ist, zeigt die Beobachtung, dass der Lichteinfall von links oben in einer nach rechts unten führenden Diagonale - über Kopf, Nase und Bart hinweg - auf die Buchseite weist. Als Gegen-Diagonale sind die Mantelfalte und die Schrägstellung des Buches zu sehen.
Dies und der malerische Duktus liegen Riberas „Hieronymus“-Themen nahe, auch, weil hier wie dort erkennbar wird, wie Ribera in den Armenvierteln Roms seine Charaktermotive suchte. Nahezu identisch zeigt sich ein Petrus-Bildnis, Teil der erhaltenen Serie in den „Girolamini“, die sich in Neapel befinden. A.R.

Bevor Ribera nach Neapel ging, studierte er bei Francisco Ribalta (1565-1628) in Valencia. In Rom setzte er sich mit den Werken Raffaelo Santis (1483-1520) und Agostino (1557-1602) und Annibale Carraccis (1560-1609) auseinander, in Parma und Modena mit denen von Antonio Allegri Correggio (um 1489-1534). Später stand er stark unter dem Einfluss von Michelangelo Merisi il Caravaggio (1570/71-1610). Die Qualität seiner Bilder erhoben ihn zum Hofmaler des Herzogs von Osuna sowie des Königs von Neapel. Im Jahr 1644 wurde er durch den Papst zum Ritter des Christusordens geschlagen. 1630 war er bereits Mitglied der Accademia di San Luca in Rom. Neben Caravaggio ist er der bedeutendste Naturalist der Neapolitanischen Malerei mit Betonung des Chiaroscuro. Ein Hauptmerkmal seines Wirkens ist die bewusste Wahl der Darstellung von meist alten, asketisch knochig-schlanken Gestalten wie Einsiedlern oder Philosophen.

Literatur:
Nicola Spinosa und A.E. Perez Sánchez, Jusepe de Ribera 1591-1652, Ausstellungskatalog; Napoli – Madrid – New York 1992.
G. Papi, Ribera a Roma. Soncono/Cremoa, 2007.
J. Milicua und J. Portús (a cura) Il giovane Ribera tra Roma, Parma e Napoli, Ausstellungskatalog, Madrid – Napoli 2010-2011. (1321691) (11)



Jusepe de Ribera, also known as "lo Spagnoletto",
1588/91 Xàtiva/ Valencia – 1652 Naples
APOSTLE OR EVANGELIST Oil on canvas.
50 x 49 cm.

Accompanied by a detailed expert’s report by Nicola Spinosa, Napoli, 12 May 2022. Next year, the painting will be included in the forthcoming monograph: Nicola Spinosa, Aniello Falcone e i pittori influenzati da Ribera e attivi a Napoli.

In his expert’s report, Spinosa points to a series of comparable paintings very similar to the present portrait such as “The Penitent Saint Peter Matthew and the Angel” or “Saint Andrew in Prayer”. With regards to dating the present work, Spinosa finds it difficult to determining whether the painting was created in the last months of Ribera’s stay in Rome (1614/15- to 1615) or at the beginning of his last stay in Naples in 1616-1618 when Ribera was painting in the collegiate church in Osuna.
Ultimately, a dating between 1615 and 1616 seems convincing to the expert.
This makes the present work one of the few surviving works from this creative period.

The previously unpublished painting can thus be presented as a sensational new discovery for the work of the important painter Ribera. It is accordingly well-documented and recent research results of the responsible expert Nicola Spinosa prove the authorship of the artist (see below).

The present painting shows the head of a strong, bearded man in a brown robe. The bald head, close to the viewer, is placed diagonally to the right in the picture. He looks up thoughtfully from his open book. One finger of the hand holding the book can be seen at the bottom of the painting. In a considered composition the open pages reveal an illustration and the book with the page turned up fits into the lower right corner. The portrait shows Ribera’s mastery and typical painterly characteristics such as the brownish-golden colouration, the light reflections, and the convincing psychological assessment.
It is difficult to identify the depicted, since there are no clear attributes, so one must revert to similarities with other portraits of saints, apostles, or evangelists in Ribera’s oeuvre. The book suggests an evangelist, such as Matthew or Mark, who are usually also depicted as advanced in age and bald. It is possible that we are dealing here with a painting from the Castilian series called “Apostolado”, which Ribera painted at various times during his long career. For the first time between 1609 and 1610 at the beginning of his stay in Rome (Spinosa 2008, p. 303 f.). A second series was commissioned by Pedro Cosida of Zaragoza, the Spanish king’s representative to the Pope. Four pictures from this series are held at the Fondazione Roberto Longhi in Florence. Other series continued into the late 1630s.
The painting’s sophistication is obvious when following the direction of light pointing from the top left in a diagonal direction to the bottom right – across the head, nose, and beard – towards the book page. The fold of the cloak and the slanting position of the book create a counter-diagonal. This and the painting style are close to Ribera’s Hieronymus subjects, as it is clear in both cases how Ribera drew from character motifs in the slums of Rome. A portrait of Saint Peter, part of the surviving series in the “Girolamini” in Naples, is almost identical.

Literature:
Nicola Spinosa and A.E. Perez Sánchez, Jusepe de Ribera 1591 - 1652, exhibition catalogue; Napoli/ Madrid/ New York 1992.
G. Papi, Ribera a Roma, Soncono/Cremona 2007.
J. Milicua and J. Portús (ed.), Il giovane Ribera tra Roma, Parma e Napoli, exhibition catalogue, Madrid/ Napoli 2010-2011.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

 

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