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Impressionists & Modern Art
Thursday, 9 December 2021

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Gustave Courbet, 1819 Ornans – 1877 La Tour de Peilz

624
Gustave Courbet,
1819 Ornans – 1877 La Tour de Peilz

PAYSAGE DE FRANCHE-COMTÉ SOUS LA NEIGEÖl auf Leinwand. Doubliert.
33 x 41 cm.
Links unten signiert „G.Courbet“.

Catalogue price€ 30.000 - 50.000 Catalogue price € 30.000 - 50.000  $ 36,000 - 60,000
£ 27,000 - 45,000
元 226,800 - 378,000
₽ 2,555,100 - 4,258,500

 

Expertise von Émile Chambon, Genf, vom 11. März 1980. Weitere Bestätigung von Bonvin, ehemaliger Restaurator am Metropolitan-Museum N.Y.

Courbet gelangte nach langem, mühevollem Aufstieg bereits Mitte des Jahrhunderts durch Aufsehen erregende Werke zu großer Bekanntheit, letztlich zu einer Berühmtheit, die ihn bis heute zu einem der führenden Maler Europas werden ließ. Nicht zuletzt war es sein Realismus, der die gesellschaftlichen Erwartungen an die Malerei gesprengt hat. Von der Kritik nicht selten abgelehnt, zeigte sich sein Werk kämpferisch, in Auflehnung gegen das bürgerliche Regime. In seinen Bildern machte er die Einfachheit bildwürdig, und er hatte nun den Ruf als avantgardistischer Künstler. Seine heute so weltberühmten Bilder wie „Das Atelier des Künstlers“ von 1855, aber schon sein „Begräbnis in Ornans“, fünf Jahre zuvor, begründeten diesen Ruf, der auch kunstpolitisch Folgen haben sollte. So wurden nicht wenige seiner Werke von der Jury abgewiesen; mit dem 1866 entstandenen Gemälde „Ursprung der Welt“ bekundete er offen sein Desinteresse an der öffentlich-gesellschaftlichen, verlogenen Moral. Vor allem sein freier Malstil, im Einklang mit den realistischen Themen, wurde er alsbald Vorbild für Maler in ganz Europa. Als inzwischen unangefochten bedeutender Maler beteiligte er sich an der Entfernung der Napoleon-Säule auf der Place Vendôme, Paris, was ihn nach einem Gerichtsurteil in existenziellen Ruin stürzte. Von da an, in die Schweiz geflohen, entstanden Landschaften in dem ihm vertrauten Jura-Gebirge oder am Genfer See.
In diese Schaffensperiode ist auch das vorliegende Gemälde zu setzen. Courbets ganzes malerisches Vermögen zeigt sich hier in einer nahezu „dramatischen Einfachheit“, die das Bild geradezu zu einem letzten Vermächtnis seines Wirkens erscheinen lässt. Hierin liegt meines Erachtens auch die große Bedeutung des vorliegenden Gemäldes. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Courbet in La Tour-de-Peilz in eben jenem Jura-Gebiet, in dem das Gemälde wohl auch entstand.
Der Bildinhalt ließe sich ausführlicher deuten. Aber auch der unvoreingenommene Betrachter kann die Sicht des Malers nachvollziehen: Der Blick wird von einem tief gelegenen Standpunkt in eine leblose, vereiste Höhe geführt. Die scheinbar leblosen Schnee- oder Gletscherschichten verlebendigen sich in einem sich gegeneinander nach unten Schieben. Einziges Leben verrät die Kaskade des Eisbaches unten, einzige Hoffnung liegt im fernen, hellen Firmament oben; geradezu Vision der Altersweisheit des Künstlers.
A. R.

Literatur:
Ferdinand May, Gustave Courbet. Der Mann der die Vendomessäule stürzte. Erzählung, Band 14, 1968, Seite 171-183.
Marie Luise Kaschnitz, Die Wahrheit, nicht der Traum. Das Leben des Malers Courbet, Frankfurt am Main 1978.
Fabrice Masanès, Gustave Courbet 1819-1877. Der letzte Romantiker. Köln 2006.
Max Hollein, Klaus Herding (Hrsg.), Courbet. Ein Traum von der Moderne, Ausstellungskatalog, Ostfildern 2010.
Paul d’Abrest, Courbet und die Vendôme-Säule, in: Die Gartenlaube, Heft 9, 1878, S. 148-150. (1290931) (11)


Gustave Courbet,
1819 Ornans – 1877 La Tour de Peilz
PAYSAGE DE FRANCHE-COMTÉ SOUS LA NEIGE Oil on canvas. Relined.
33 x 41 cm.
Signed “G.Courbet” lower left.

Expert’s report by Émile Chambon, Geneva dated 11 March 1980. Further authentication by Bonvin, former restorer at the Metropolitan Museum, New York.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

 

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