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Gemälde Alte Meister
Donnerstag, 22. September 2022

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Giovanni Battista Tiepolo, 1696 Venedig – 1770 Madrid

382
Giovanni Battista Tiepolo,
1696 Venedig – 1770 Madrid

Caesar wird der Kopf des Pompejus präsentiertÖl auf Leinwand. Doubliert.
53,8 x 72,6 cm.
In ornamental reliefiertem und vergoldetem Rahmen.

Katalogpreis€ 250.000 - 350.000 Katalogpreis € 250.000 - 350.000  $ 247,500 - 346,500
£ 225,000 - 315,000
元 1,755,000 - 2,457,000
₽ 15,175,000 - 21,245,000

 

Dieses schöne Gemälde von Giiovanni Battista Tiepolo ist die Vorlage für eines der vier Gemälde, die der Graf Francesco Algarotti im Auftrag des polnischen Königs und sächsischen Kurfürsten August III bei dem Maler in Auftrag gegeben hat und die für die königlichen Sammlungen in Dresden bestimmt waren.
Das Werk, auf das sich diese Leinwand bezieht, ist verloren gegangen, während die anderen drei der Serie noch erhalten sind. Es handelt sich dabei um das „Bankett von Antonius und Kleopatra“ in Melbourne, den „Triumph von Flora“ in San Francisco und die „Präsentation der Künste durch Maecenas an Augustus“ in Leningrad.
Durch die Lektüre der reichen Korrespondenz zwischen Algarotti und Graf Brühl, dem Premierminister des Königs, aus den Jahren 1743 bis 1747, hat man viel über die Gemäldegruppe erfahren (Precerutti Garberi, S. 111).
1743 kehrte Algarotti aus Dresden nach Venedig zurück, um geeignete Gemälde zur Bereicherung der königlichen Sammlungen zu finden. Von den noch lebenden Künstlern wählte er die fünf größten Vertreter der venezianischen Malerei als Auftraggeber: Piazzetta, Pittoni, Tiepolo, Amigoni und Zuccarelli. Die ersten drei beauftragte er mit Historienbildern, den letzten mit Landschaften.
Aus dem Brief Algarottis an Brühl vom 9. August 1743 wissen wir, dass das Thema des verschollenen Gemäldes von Tiepolo zunächst „Timotheus oder die Wirkungen der Musik“ lautete und später in „Caesar betrachtet den Kopf des Pompejus“ geändert wurde. In dem Schreiben wurden auch die Maße aller Werke (135x185 cm) und die Figur des Protagonisten (68 cm) festgelegt.
Mercedes Precerutti Garberi nennt als Zeitraum der Ausführung des fertigen Gemäldes zwischen dem 5. März 1744, als die erste Vorauszahlung verbucht wurde (die im Allgemeinen nie vor Arbeitsbeginn der Maler geleistet wurde), und den 26. Februar 1746, als die letzte Zahlung erfolgte. Noch im selben Jahr wurde das Gemälde nach Dresden geschickt und gelangte in die Sammlungen von August III, wo es sich noch einige Jahre später befand, wie aus einem Brief Algarottis an Mariette vom Februar 1751 hervorgeht. Im Jahr 1765, zwei Jahre nach dem Einmarsch der preußischen Truppen und dem Sturz Augusts III, erschien es in Amsterdam, um zusammen mit der gesamten Sammlung des Königs von Arnoldus Dankmeyer am 22. Mai versteigert zu werden (Katalog Nr. 55, Maße 55 x 72 Zoll). Bei dieser Gelegenheit wurde es von dem Kunsthändler De Winter für 215 Gulden gekauft. Von diesem Moment an war es verloren, während die hier gezeigte Skizze am 18. Mai 1914 auf der Auktion in Florenz erschien (Lot 176) und aus der Sammlung L. Giusti in Modena stammte. Wir wissen mit Sicherheit, dass die Leinwand von Tiepolo im Jahr 1743 gemalt wurde. Am 9. August desselben Jahres schrieb Algarotti an Brühl, um ihm mitzuteilen, dass er die von ihm angeforderten Gemälde anhand ihrer Vorstudien in Augenschein nehmen könne, nachdem er den Künstlern versprochen hatte, dass sie mehr als die vereinbarten 100 Zecchini erhalten würden, wenn sie auch das Modell malten. Aus diesem Grund beschloss Tiepolo, auch dieses Bild zu malen, was ihm weitere 30 Zecchini einbrachte.
Algarotti schickte es nicht zusammen mit dem großen Gemälde nach Dresden, sondern behielt es für seine Privatsammlung. Im Jahr 1776 wurde es in dem beim Tod des Grafen erstellten Vermögensverzeichnis aufgeführt, im nachfolgenden Inventar von 1779 jedoch nicht mehr erwähnt, da die Erben es in der Zwischenzeit bereits verkauft hatten.
Laut Algarotti (Gemin/Pedrocco, S. 362, Nr. 299) sollte Tiepolo die Geschichte auf einem Platz in Alexandria, Ägypten, spielen, was erklärt, warum auf der Skizze im Hintergrund der Komposition Gebäude, die an die Antike erinnern, und ein Obelisk oder eine Pyramide gemalt sind. Um die Geschichte wahrheitsgetreuer zu gestalten, fügt der Künstler auch einige Figuren ein, die im orientalischen Stil gekleidet sind, mit den typischen spitzen Schuhen, der charakteristischen Turban-opfbedeckung oder mit einem über die Stirn geklappten Visier. Es handelt sich um eine der ersten Darstellungen exotischer Figuren in Tiepolos Gemälden, die bald darauf zu einem Markenzeichen des Künstlers werden sollten. Caesar, umgeben von seinen Soldaten, die in römische Rüstungen gekleidet sind und die Kriegsfahnen tragen, ist fast entsetzt über den Anblick des Kopfes seines Rivalen Pompejus (Gnaeus Pompeius Magnus, 106-48 v.Chr.). Tatsächlich soll Caesar in diesem Augenblick geweint haben und dem Kopf des Pompejus ein würdevolles Begräbnis angedeihen haben lassen als Zeichen der Milde.
Mercedes Precerutti/Garberi merkt an, dass der Stil des Gemäldes im Stil von Veronese mit Tiepolos Tätigkeit in jenen Jahren übereinstimmt (S. 115). Der Typus des weißen Pferdes taucht nämlich auch in den Fresken der Villa Cordellina, der Dornenkrönung in Hamburg und dem Manna-Sturz in Verolanuova auf. Weitere Übereinstimmungen im Modell lassen sich zwischen der Figur des Alexander, ebenfalls in der Cordellina, und der des Caesar feststellen. (†)

Provenienz:
Graf Francesco Algarotti.
Von dessen Erben vor 1779 veräußert.
Modena, Sammlung L. Giusti, bis 1914.
Florenz, Galleria Geri, 18. Mai 1914, Lot 176, Tafel XLVI, Abb. 1.
Christie’s, London, 16. Dezember 1998, lot 195 als Giovanni Battista Tiepolo, Werkstatt.
The Matthiesen Gallery, London, dort verkauft 17. Mai 2004. Dort im Ausstellungskatalog: Collectanea 1700 – 1800.
Spanische Privatsammlung.

Literatur:
Das hier angebotene Gemälde wird in folgender Literatur aufgeführt:
Mercedes Precerutti Garberi, Di alcuni dipinti perduti del Tiepolo, in „Commentari“, Jahrgang IX, April-Juni 1958, S. 111-116, Tafel XLVI, Abb. 1.
Guido Piovene, Anna Pallucchini, Giambattista Tiepolo, Mailand 1968, S. 136.
Antonio Morassi, A complete catalogue of the paintings of G.B. Tiepolo including pictures by his pupils and followers wrongly attributed to him, London 1962, S. 29, Nr. 176, Abb. 309.
M. Levey, Giambattista Tiepolo. His life and art, New Haven u.a., 1. Ausgabe 1986, S. 128, und 2. Ausgabe 1994, S. 128.
Massimo Gemin, Filippo Pedrocco, Giambattista Tiepolo. I Dipinti. Opera completa, Venedig 1993, S. 362-363, Nr. 299.
Keith Christiansen, Algarotti‘s Tiepolos and his fake Veronese, in: Giambattista Tiepolo nel terzo centenario della nascita, atti del convegno internazionale di studi (Venedig-Vicenza-Udine-Paris, 29. Oktober- 4. November 1996), 1998, Bd. I, S. 403, 406, Bd. II, S. 131, Abb. 2.
Jaynie Anderson, Tiepolo‘s Cleopatra, Melbourne 2003, S. 38-39, Abb. 24.
Fabrizio Magani, Dipinti Antichi (Mailand, Galleria Caiati-Salamon), Mailand 2003, S. 22-24.

Die vorbereitende Studienzeichnung: New York, Sammlung Mr. and Mrs. David Tobey, veröffentlicht bei: Keith Christiansen, Algarotti‘s Tiepolos and his fake Veronese, in: Giambattista Tiepolo nel terzo centenario della nascita, atti del convegno internazionale di studi (Venedig-Vicenza-Udine-Paris, 29. Oktober- 4. November 1996), 1998, Bd. II, S. 131, Abb. 1. (1330514) (13)



Giovanni Battista Tiepolo,
1696 Venice – 1770 Madrid

CAESAR IS PRESENTED WITH THE HEAD OF POMPEY
Oil on canvas. Relined.
53.8 x 72.6 cm.
In ornamental frame decorated with reliefs and gilt.

This beautiful painting by Giambattista Tiepolo. It is the preparatory model for one of four paintings the artist was commissioned to create for the royal collections in Dresden by Count Francesco Algarotti on behalf of Augustus III, King of Poland, and Elector of Saxony. The original work on which the present canvas painting is based has been lost, while the other three in the series survive. These are the Banquet of Anthony and Cleopatra in Melbourne, the Triumph of Flora in San Francisco, and the Maecenas presenting the Liberal Arts to Emperor Augustus in Leningrad. Reading the substantial correspondence between Algarotti and Count Brühl, the king’s prime minister between 1743 and 1747, much has been learned about the group of paintings (Precerutti-Garberi, p. 111). In 1743 Algarotti returned to Venice from Dresden to find suitable paintings to enhance the royal collections. Among the contemporary living artists, he chose five of the greatest representatives of Venetian painting: Piazzetta, Pittoni, Tiepolo, Amigoni and Zuccarelli. He commissioned the first three with history paintings, the last with landscapes. From Algarotti’s letter to Brühl dated 9 August 1743, we know that the subject of the lost painting by Tiepolo was initially Timothy or the Effects of Music and was later changed to Caesar being presented by the Head of Pompey. The letter also specified the dimensions of all works (135 x 185 cm) and the figure of the protagonist (68 cm). Mercedes Precerutti Garberi states the date of creation of the finished painting as between 5 March 1744, when the first advance payment was recorded (which was generally never made before the painters began work), and 26 February 1746, when the last payment was made. In the same year the painting was sent to Dresden and ended up in the collections of Augustus III, where it was still held a few years later, as is evident from a letter from Algarotti to Mariette dated February 1751. In 1765, two years after the invasion of Prussian troops and the overthrow of Augustus III, it appeared in Amsterdam to be auctioned off on 22 May by Arnoldus Dankmeyer, together with the king’s entire collection (cat. no. 55, dimensions 55 x 72 customs service). It was acquired there by the art dealer De Winter for 215 guilders. From then on it has been lost, while the preparatory model shown here appeared at the Florence auction on 18 May 1914 (lot 176) and came from the L. Giusti collection in Modena. We know for sure that Tiepolo’s canvas was painted in 1743. On 9 August of the same year, Algarotti wrote to Brühl to say that he could inspect the paintings he had requested based on their preliminary studies, having promised the artists that they would receive more than the agreed 100 zecchini if they also finished painting the preparatory model. For this reason, Tiepolo decided to paint this painting as well, earning him another 30 zecchini. Algarotti did not send it to Dresden with the large painting but kept it for his private collection. In 1776 it was included in the list of assets drawn up at the count’s death, but was no longer mentioned in the subsequent inventory of 1779, as the heirs had already sold it in the meantime. According to Algarotti (Gemin-Pedrocco, p. 362, no. 299), Tiepolo was supposed to set the story in a square in Alexandria in Egypt, which explains why on the model in the background of the composition buildings reminiscent of antiquity and an obelisk or a pyramid are painted. To make the story more truthful, the artist also inserted some characters dressed in oriental style, with the typical pointed shoes, the characteristic turban headgear or with a visor folded over the forehead. It is one of the first depictions of exotic figures in Tiepolo’s paintings, which would soon become one of his trademarks. Caesar, dressed in Roman armour, carrying the flags of war and surrounded by his soldiers, is almost horrified at the sight of the head of his rival Pompey (Gnaeus Pompeius Magnus, 106 - 48 BC). Caesar is said to have wept at that moment and to have given Pompey’s head a dignified burial as a sign of clemency. Mercedes Precerutti-Garberi notes that the Veronese style of the painting is consistent with Tiepolo’s activity in those years (p. 115). The motif of the white horse also appears in the frescoes of the Villa Cordellina, the Coronation of Thorns in Hamburg, and the Fall of Manna in Verolanuova. Further similarities with the model can be found between the figure of Alexander, also in the Cordellina, and that of Caesar. (†)

Provenance:
Graf Francesco Algarotti.
Sold by his heirs before 1779.
Modena, L. Giusti collection, until 1914.
Florence, Galleria Geri, 18 May 1914, lot 176, board XLVI, ill. 1.
Christie’s, London, 16 December 1998, lot 195 as Giovanni Battista Tiepolo, workshop.
The Matthiesen Gallery, London, sold 17 Mai 2004; published in exhibition catalogue: Collectanea 1700 – 1800.
Private collection, Spain.

Literature:
The present painting is listed in the following literature:
M. Precerutti Garberi, Di alcuni dipinti perduti del Tiepolo, in “Commentari”, volume IX, April - June 1958, pp. 111-116, plate XLVI, fig. 1.
G. Piovene-A.Pallucchini, Giambattista Tiepolo, Milan 1968, p. 136.
A. Morassi, A complete catalogue of the paintings of G. B. Tiepolo including pictures by his pupils and followers wrongly attributed to him, London 1962, p. 29, no. 176, fig. 309.
M. Levey, Giambattista Tiepolo. His life and art, New Haven-London, first edition 1986, p. 128 and second edition 1994, p. 128.
M. Gemin- F. Pedrocco, Giambattista Tiepolo. Dipinti, opera completa, Venice 1993, pp. 362-363, no. 299.
K. Christiansen, Algarotti’s Tiepolos and his fake Veronese, in: Giambattista Tiepolo nel terzo centenario della nascita, atti del convegno internazionale di studi (Venice-Vicenza-Udine-Paris, 29 October - 4 November 1996, 1998, vol. I, pp. 403, 406, vol. II, p. 131, fig. 2.
J. Anderson, Tiepolo’s Cleopatra, Melbourne, 2003, pp. 38-39, fig. 24.
F. Magani, in: Dipinti Antichi (Milan, Galleria Caiati-Salamon), 2003, pp. 22-24

The preparatory study drawing:
New York, Collection of Mr. and Mrs. David Tobey, published by K. Christiansen, Algarotti’s Tiepolos and his fake Veronese, in: Giambattista Tiepolo nel terzo centenario della nascita, atti del convegno internazionale di studi (Venice-Vicenza-Udine-Paris, 29 October - 4 November 1996), 1998, vol. II, p. 131, fig. 1.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

 

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