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Impressionists & Modern Art
Thursday, 4 December 2025

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Emil Nolde, 1867 Nolde – 1956 Seebüll

441
Emil Nolde,
1867 Nolde – 1956 Seebüll

MEER IM ABENDLICHT MIT QUALMENDEM DAMPFER,
1945/47
Aquarell auf Japanpapier.
22,8 x 26,4 cm.
Rechts unten signiert „Nolde.“
Gerahmt.

Catalogue price € 60.000 - 80.000 Catalogue price € 60.000 - 80.000 (†)  $ 70,200 - 93,600
£ 52,200 - 69,600
元 493,800 - 658,400
₽ 5,386,200 - 7,181,600

 

Beigegeben eine Foto-Expertise von Prof. Dr. Manfred Reuther von der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, 4. September 1987, in Kopie.

Leuchtende Gelb- und Orangetöne, die das Abendlicht symbolisieren, kontrastieren mit dunklen dramatischen Wolken und den tiefen Blau- und Violettnuancen des Meeres. Am linken Horizont steigt eine hohe Rauchwolke von einem Dampfer auf, der sich vor dem glühenden Licht des Sonnenuntergangs abzeichnet. Das dünne, leicht saugende Japanpapier lässt die Farben besonders intensiv und zugleich transparent wirken. Himmel und Wasser behandelt Nolde formal gleichwertig – teils rau, teils ruhig, ineinander übergehend und sich spiegelnd. So entsteht eine harmonische Einheit, getragen von seiner kraftvollen, expressiven Malweise, die Bewegung und innere Spannung vermittelt. Die Durchdringung von Meer und Himmel bestimmt die Gesamtstimmung und erzeugt eine Atmosphäre zwischen Ruhe und Unruhe. Typisch expressionistisch verzichtet Nolde auf eine naturalistische Wiedergabe und konzentriert sich auf die sinnliche unmittelbare Wahrnehmung. Damit unterscheidet sich sein Stil deutlich von dem des englischen Landschaftsmalers William Turner (1775 – 1851), der in seinen berühmten Dampferbildern das Atmosphärische und das Licht selbst zum Hauptmotiv machte. Bei beiden wird der Dampfer jedoch zum Bindeglied zwischen Himmel und Erde – Sinnbild menschlicher Präsenz und technischer Beherrschung der Natur, die aus heutiger Sicht zugleich als Zeichen ihrer Ausbeutung erscheint.

Das Werk gehört zu Noldes charakteristischen, farbintensiven Meer- und Landschaftsaquarellen, die in den Jahren 1945 bis 1947 entstanden. Nach seiner Rückkehr nach Nordschleswig im Jahr 1926 errichtete er auf einer Warft in Seebüll, die er selbst benannte, sein Wohn- und Atelierhaus. Seither wurde die weite Marschlandschaft mit ihrem hohen Himmel und dem allgegenwärtigen Meer zu seiner zentralen Inspirationsquelle. Noldes Aquarelle, denen er sich seit 1908 intensiv widmete, zählen zu seinen bedeutendsten künstlerischen Leistungen. In bislang unerreichter Farbintensität und Meisterschaft schuf er spannungsreiche Bilder von Meer und Himmel – sei es in stürmischer Dramatik oder, wie hier, in stiller Abendstimmung über ruhiger See. Später bezeichnete Nolde seine Aquarelle als „ungemalte Bilder“ und Ausdruck seines Widerstands gegen die Nationalsozialisten – obwohl ihm lediglich ein Berufs-, nicht aber ein Malverbot auferlegt war.

Der Künstler zählt zu den bedeutendsten deutschen Expressionisten und gilt als zentrale Figur der europäischen Avantgarde. Emil Hansen, 1867 im deutsch-dänischen Grenzland geboren, nahm 1902 den Namen seines Heimatortes Nolde als Künstlernamen an – eine Verbindung, die sein Werk zeitlebens prägte. Nach einer Ausbildung als Schreiner und Holzschnitzer arbeitete er zunächst in Möbelfabriken, bevor er sich der Kunst zuwandte. Die Münchner Akademie lehnte ihn ab, doch in Dachau und Paris fand er Anerkennung für seine ausdrucksstarke, farbgewaltige Malweise. 1906 trat er der Künstlergruppe „Die Brücke“ bei, die er jedoch bald wieder verließ, um unabhängig zu arbeiten. Trotz seines umstrittenen Verhältnisses zum NS-Regime blieb Noldes künstlerisches Vermächtnis unbestritten.

Provenienz:
Privatsammlung Berlin.
Galerie Ludorff Düsseldorf.
Privatsammlung England.

Literatur:
Vgl. Elke Haan, Kunstwerk des Monats: Emil Nolde, „Dampfer auf See“ (2025), in: Kunsthalle Emden Magazin, https://kunsthalle-emden.de/magazin/kunstwerk-des-monats-emil-nolde-dampfer-auf-see [30.10.2025].

Ausstellung:
Herbst 1987, Galerie Ludorff, Düsseldorf, 1987, Katalog Nr. 47. (1460512) (17)




Emil Nolde, 
1867 Nolde – 1956 Seebüll

MEER IM ABENDLICHT mit QUALMENDEM DAMPFER, 1945/47

Watercolour on Japanese paper.
22.8 x 26.4 cm.
Signed “Nolde.” lower right.

Accompanied by a photo certificate of Professor Dr Manfred Reuther from the Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 4 September 1987, in copy.

Provenance:
Private collection, Berlin.
Galerie Ludorff, Düsseldorf.
Private collection, England.

Literature:
cf. Elke Haan, Kunstwerk des Monats: Emil Nolde, “Dampfer auf See” (2025), in: Kunsthalle Emden Magazin, https://kunsthalle-emden.de/magazin/kunstwerk-des-monats-emil-nolde-dampfer-auf-see [accessed 30 October 2025].

Exhibitions:
Herbst 1987, Galerie Ludorff, Düsseldorf, 1987, cat. no. 47.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

 

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