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Furniture & Interior
Thursday, 4 December 2025
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Die frühe französische Renaissance (ca. 1490 – 1530) ist durch große Veränderungen und eine rasche Entwicklung in allen künstlerischen Bereichen geprägt. Zwar begann der italienische Einfluss bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts spürbar zu werden, doch erst unter der Herrschaft Ludwigs XII wurde er im französischen Kunstschaffen wirklich prägend. Ab 1515 förderte Franz I diese Begeisterung für den Italianismus durch aktives Mäzenatentum maßgeblich. Auch die Möbel blieben von dieser Entwicklung nicht unberührt und durchliefen eine bedeutende Wandlung. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts blieb die Grundstruktur der Möbel noch gotisch, Serviettefalten, Fialen und Strebepfeiler zierten weiterhin die Möbel. Dennoch bereicherte sich das ornamentale Repertoire um Arabesken, Grotesken sowie florale Kompositionen und Rankenvoluten, in denen die Bedeutung der Symmetrie deutlich wird.
Die raffiniertesten Möbel wurden mit Medaillons verziert, die Profile von Männern und Frauen zeigten. Dabei handelte es sich oft um Hochzeitsmöbel, die die jungen Eheleute – manchmal begleitet von ihren Vorfahren – darstellten. In Anlehnung an antike Münzen, Medaillen und Kameen zählen diese Figuren in Medaillons zu den charakteristischsten Verzierungen der Frührenaissance. Prachtvolle Schränke zählen zu den schönsten Schöpfungen der Regierungszeit Ludwigs XII. Ihre sehr kurze Entstehungszeit – 1490 bis 1515 – macht sie zu noch selteneren Möbeln als die gotischen Schränke.
Der hier vorgestellte Schrank ist zwar noch von mittelalterlicher Konzeption, doch seine strenge Architektur bietet einen stabilen Korpus, der mit Zapfen und Zinken verbunden ist und dessen Rahmen durch ein profiliertes Gesims betont wird. Er steht auf geraden Füßen, die – wie damals üblich – die seitlichen Pfosten des Korpus verlängern. Der Rahmen ist mit einer Säule verziert, die ein typisch gotisches Dekor trägt: Der untere Teil zeigt Ranken mit Blättern und Blüten, während der obere Teil an die Krabbenspitzen erinnert, die gotische Kathedralen schmückten. Die Säule ruht auf einer grinsenden Maske, und in ihrer Mitte ist ein überraschendes Detail eingearbeitet – ein fein geschnitztes Männerprofil, eingerahmt von zwei Profilen derselben Frau. Der Schrank öffnet sich mit zwei Flügeltüren, die jeweils mit sechs, in die Pfosten des Korpus eingelassen Feldern verziert sind. Das Dekor dieses Schranks besteht aus zwölf Feldern, die mit Halbfiguren im Profil verziert sind. Acht dieser Medaillons sind von einem Lorbeerkranz umgeben, die anderen vier von einer gerillten Profilierung. Jedes Medaillon wird von einem pflanzlichen Arabeskendekor gekrönt, dessen Muster von Feld zu Feld variiert. Die fein geschnitzte leichte Flora steht im Kontrast zu den zackigen Blättern, die auf gotischen Möbeln oft strenger wirken. Sie wird bereichert durch hybride Tiere, Früchte, Blüten, Masken, geflügelte Engelköpfe und Kartuschen. Die Medaillons sind paarweise horizontal angeordnet und bilden so sechs einander gegenüberstehende Paare. Jedes Gesicht ist individuell gestaltet. Man bewundert die Vielfalt der Kostüme und Frisuren, die alle unterschiedlich sind. Die Figuren tragen mal Hofkleidung, mal alltäglichere Gewänder. Die Modellierung der Gesichter ist weich, die Wiedergabe der Kleidung und Stoffe präzise.
Provenienz:
Sammlung Toulouse-Lautrec.
Literatur:
Vgl. Jacques Thirion, Le Mobilier du Moyen-Âge et de la Renaissance en France, Dijon 1998.
Jacqueline Boccador, Le Mobilier français du Moyen-âge à la Renaissance, Saint-Just-en-Chaussée 1988. (1461224) (1) (13)
Important and rare Early Renaissance cabinet
Height: 178 cm.
Width: 154 cm.
Depth: 74 cm.
Flanders or France, ca. 1510.
Provenance:
Toulouse-Lautrec collection.
Literature:
cf. Jacques Thirion, Le Mobilier du Moyen Âge et de la Renaissance en France, Dijon 1998.
Jacqueline Boccador, Le Mobilier français du Moyen Âge à la Renaissance, Edition d’art Monelle Hayot, 1988.
This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.
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