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Gemälde Alte Meister
Donnerstag, 22. September 2022

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Agnolo di Cosimo Allori Bronzino, 1503 Florenz – 1572 ebenda

309
Agnolo di Cosimo Allori Bronzino,
1503 Florenz – 1572 ebenda

Bildnis eines jungen MannesÖl auf Holz.
38,7 x 32,4 cm.
Verso eine Einschubleiste und rotes Lacksiegel der Sammlung Familie Corsini mit Fürstenhut über dem Wappen.
In Renaissance-Rahmen.

Katalogpreis€ 250.000 - 450.000 Katalogpreis € 250.000 - 450.000  $ 247,500 - 445,500
£ 225,000 - 405,000
元 1,755,000 - 3,159,000
₽ 15,175,000 - 27,315,000

 

Das Gemälde ist bereits durch mehrere kunstwissenschaftlichen Besprechungen, Expertisen und Publikationen als ein Werk des Meisters gewürdigt worden (s.u.). Es zeigt das Portrait eines jungen Mannes, der Kopf nahezu in Lebensgröße, im Bildformat nahe an den Betrachter herangeführt. Ein dunkler Hintergrund, der nach unten nur leicht grünlich aufhellt, und das anthrazitfarbene, fast schwarze Kostüm verhalten sich insoweit zurückhaltend, als dadurch das Gesicht umso wirkungsvoller im Licht erscheint. Die Beleuchtung von links oben trifft zunächst vor allem auf die Stirnpartie und den Nasenrücken. Die dunkelbraunen Iris und das schwarze kurze Haar stehen in einem malerischen Kontrast zu dem helleren, rötlich-braunen kurzen Bart. Ein schmaler plissierter weißer Kragen umzieht die Kopfpartie. Die vollen Lippen werden vom Barthaar gesäumt, der sprechende Blick ist dem Betrachter entgegengerichtet.

Der Maler zählt zu den bedeutendsten Vertretern der italienisch-florentinischen Spätrenaissance bzw. des Manierismus. Neben seinen Fresken, Altar- und Andachtsbildern ist er vor allem auch als Portraitist berühmt geworden. Dies nicht zuletzt, weil er als Maler mit höchster Bildung in engstem gesellschaftlichem und freundschaftlichem Kontakt zu Berühmtheiten seiner Zeit stand, wie ebenso zu Persönlichkeiten des Hofes der Medici, von denen er Portraitaufträge erhielt. Die Werke der großen Autoren wie Dante, Petrarca oder Pietro Bembo waren ihm selbstredend vertraut, was seinen Zugang zum Hof wesentlich beförderte.
Bereits als Schüler des Jacopo Pontormo arbeitete er für die Medici, sowie für den Hof des Herzogs von Urbino, Francesco Maria I und Guibaldo della Rovere. Um 1533 wechselte er ganz an den Hof der Medici und erhielt den Status eines Hofmalers, nachdem der Herzog einen erlesenen Kreis von Literaten und Künstlern gerufen hatte. Die Festdekorationen in Florenz anlässlich der Hochzeit von Cosimo I mit Eleonora di Toledo, 1531, sind nicht mehr erhalten.
Von seinen Porträts – vor allem der Medici-Familie – sind nur wenige autorisierte Repliken und Variationen erhalten, nicht selten in seiner Werkstatt oder von Alessandro Allori, seinem Schüler, geschaffen. Umso seltener sind Werke seiner Hand, wie das hier vorliegende.

In den beiliegenden Begutachtungen, Besprechungen und Untersuchungen sind bereits stilistische Verwandtschaft aber auch Portaitähnlichkeit mit weiteren Werkes Bronzinos festgestellt worden. Vollkommen überzeugend ist die Ähnlichkeit des Dargestellten mit einem Bronzino zugewiesenen „Bildnis eines Mannes mit Schreibfeder und Buch“, dessen Verbleib nicht genannt werden kann, abgebildet im beiliegenden Aufsatz von Alessandro Nesi (s.u.).
Der Autor zitiert in einer weiteren Publikation Ausstellungskatalog- „Tra Sacro e Profano“ (Sammlung Giorgio Baratti, Milano) – den Texteintrag von Ulderigo Medici in dessen 1880 erschienenen Katalog mit der Formulierung: Bronzino Angiolo – Portait eines Mitglieds der Medici-Familie, mit Abmessungen, identisch mit dem vorliegenden Gemälde. Ulderigo Medici war ehemals Konservator der Sammlung der Corsini-Prinzen in Florenz, daher auch Kenner der Bildnisse des Meisters, sowie der damaligen Sammlung (San Casciano Val di Pesa), Archivio Corsini. Auch war er vertraut mit den Werken der sämtlichen Maler der Zeit, wie etwa Salviati, die zur Sammlung gehörten.
Ein Vergleichsbild, das ehemals dem Maler Andrea del Sarto zugewiesen war, aber letztlich doch in die Nähe Bronzinos gebracht wurde, erschien 2015 auf dem Markt und lässt sich, wie oben erwähnt, unzweifelhaft mit dem vorliegenden Gemälde in Verbindung bringen.
Des Weiteren wurde in den Untersuchungen der Vergleich mit anderen Werken Bronzinos angestellt. So etwa wird hier die Darstellungsverwandtschaft mit dem Haupt des Heiligen Markus in der Kirche Sta. Felicita in Florenz festgestellt, ein Werk, das Bronzino zwischen 1525 und 1528 in Zusammenarbeit mit seinem Meister Pontormo in der Capponi-Kapelle schuf. Auch das Gesicht des Heiligen Joseph in der „Heiligen Familie mit Elisabeth und Johannes“ (National Gallery Washington, um 1625-1628) oder der Kopf Christi in der Uffizien-Pietá von 1529, einst für die Cambi-Kapelle in Sta. Trinita in Florenz geschaffen, wurden hier zum Vergleich herangezogen. A.R.

Provenienz:
Fürstliche Sammlung Corsini.
Sammlung Giorgio Baratti.

Literatur:
Vgl. Elizabeth Pilliod, Pontormo, Bronzino, Allori. A Geneaolgy of Florentine Art. New Haven/ London 2001.
Vgl. Maurice Brock, Bronzino. Paris 2002.
Vgl. Carlo Falciani Bronzino. Pintore e poeta alle corte dei Medici, Ausstellungskatalog, Palazzo Strozzi, Florenz 2010.
Vgl. Alexander Rauch, Kunst der Italienischen Renaissance, Malerei der Hochrenaissance und des Manierismus in Rom und Mittelitalien, Köln 1994.
Vgl. Alessandro Nova, (Hrsg.), Giorgio Vasari. Das Leben des Montorsoli und des Bronzino sowie der Künstler der Accademia del Disegno, bearb. und übers. v. Hana Gründler u. Katja Lemelsen, Berlin 2008.

Dokumentationen und Expertisen:
Alessandro Nesi, Agnolo di Cosimo detto il Bronzino. Ritratto di giovane uomo. S. 1-10, mit Vergleichsabbildungen, Pistoia, 9. Nov. 2015.
Daniele Rossi, Restauratore, Materialbericht, Florenz, 14. April 2016.
Andrea Emiliani, Präsident der Accademia Clementina, emerit., 20. 9. 2016
Alessandro Nesi, Bronzino Rittratto d‘uomo della collezione Corsini, in: Quaderni di Maniera, Tirature limitate per studiosi e collezinonisti, Mailand, Collezione Giorgio Baratti, Febr. 2020.
Internat. Ausstellungskatalog „Tra Sacro e Profano“ – La Collezione Giorgio Baratti, Milano. Ausstellung in Vilnius, Nationalmuseum – Palace oft he Grand Dukes of Lithuania, 2020, Text Alessandro Nesi (dreisprachig).
Alessandro Nesi, Agnolo di Cosimo detto il Bronzino. Ritratto di giovane uomo. Addenda bibliografica e documentaria (3 S. mit Vergleichsabb.) o. O. (13309921) (2) (11)



Agnolo di Cosimo Allori Bronzino,
1503 Florence - 1572 ibid.

PORTRAIT OF A YOUNG MAN
Oil on panel.
38.7 x 32.4 cm.
Verso an inserted slat with red lacquer seal of the Corsini collection with a princely hat over the coat of arms.
In Renaissance frame.

The painting has already been acknowledged as an authentic work by the master through several art-scientific reviews, expert reports, and publications (see below). It shows the portrait of a young man, the head almost life-size, up-close to the viewer. The restrained colouration of the dark background, lightening in greenish hues towards the bottom and the anthracite-coloured, almost black costume, make the face appear even more effectively in the light. The light falling from the top left primarily hits the forehead and the bridge of the nose. The dark brown pupils and black short hair give a picturesque contrast to the lighter reddish-brown short beard. A narrow, pleated white collar surrounds the head section. The full lips are lined with the hair of the beard, his expressive gaze is directed towards the viewer. The painter is one of the most important representatives of the Italian-Florentine late Renaissance and Mannerism. In addition to his frescoes, altarpieces, and devotional paintings, he is also famous as a portraitist. As a highly accomplished painter, he was in close social and friendly contact with the contemporary celebrities and with personalities at the Medici court, from whom he received portrait commissions. He was evidently familiar with the works of great authors such as Dante, Petrarch, or Pietro Bembo, which significantly promoted his access to the court. As a student of Jacopo Pontormo, he worked for the Medici, the court of the Duke of Urbino, Francesco Maria I and Guidobaldo della Rovere. He moved to the Medici court full-time around 1533 where he was promoted to the status of court painter after the duke had summoned a select circle of writers and artists. His festive decorations in Florence for the marriage of Cosimo I to Eleonora di Toledo in 1531 no longer exist. Only a few authorized copies and variations of his portraits - especially of the Medici family - have survived, often created in his workshop or his apprentice Alessandro Allori. Works such as the present painting are even rarer. The enclosed reports, discussions and research have already established stylistic similarities and portrait resemblances with other works by Bronzino. The resemblance of the sitter to a Portrait of a man with pen and book attributed to Bronzino, with unknown whereabouts is completely convincing and illustrated in the enclosed essay by Alessandro Nesi. In another publication, the exhibition catalogue Tra Sacro e Profano (Giorgio Baratti Collection, Milano), the author quotes the entry by Ulderigo Medici's catalogue published in 1880 as follows: Bronzino Angiolo - Portrait of a member of the Medici family, with identical dimensions to the painting on offer for sale in this lot. Ulderigo Medici was formerly curator of the collection of the Corsini princes in Florence and therefore also an expert on the portraits of the master and the collection of the time (San Casciano Val di Pesa), Archivio Corsini. He was also familiar with the works of all the contemporary painters, such as Salviati, which were part of the collection. A comparative painting, formerly attributed to the painter Andrea del Sarto but ultimately associated with the circle of Bronzino, appeared on the art market in 2015 and, as mentioned above, is undoubtedly linked to the present painting. Furthermore, the reports make comparisons with other works of Bronzino, such as a similar depiction of the head of Saint Mark in the church of Santa Felicita in Florence, a work that Bronzino created between 1525 and 1528 in collaboration with his master Pontormo in the Capponi Chapel. Further comparisons were made with the face of Saint Joseph in the Holy Family with the Saint Elizabeth and Saint John (National Gallery Washington, c. 1625-28), or the head of Christ in the Uffizi Pietà of 1529, once created for the Cambi Chapel in Santa Trinita in Florence. Alessandro Nesi (cat. 2020) does not rule out that the present painting is trimmed at the edges, which does little to detract from the importance of the work and its aesthetic impact.

Provenance:
Princely Corsini collection.
Giorgio Baratti collection.

Literature:
Elizabeth Pilliod, Pontormo, Bronzino, Allori. A Geneaolgy of Florentine Art, Yale University Press, New Haven/London 2001.
Maurice Brock, Bronzino, Paris, Flammarion 2002.
Bronzino, Pintore e poeta alle corte dei Medici, exhibition catalogue, Palazzo Strozzi, Florence 2010.
Alexander Rauch, Kunst der Italienischen Renaissance: Malerei der Hochrenaissance und des Manierismus in Rom und Mittelitalien, Cologne 1994.
Alessandro Nova (ed.), Giorgio Vasari: Das Leben des Montorsoli und des Bronzino sowie der Künstler der Accademia del Disegno, Berlin 2008.

Documentations and expert's reports:
Alessandro Nesi, Agnolo di Cosimo detto il Bronzino. Ritratto di giovane uomo, pp. 1-10, with comparative illustrations, Pistoia, 9 November 2015.
Daniele Rossi, Conservator, Materialbericht, Florence, 14 April 2016.
Andrea Emiliani, President of the Accademia Clementina, emeritus, 20 September 2016.
Alessandro Nesi, Bronzino Rittratto d'uomo della collezione Corsini, in: Quaderni di Maniera, Tirature limitate per studiosi e collezinonisti, Milan, Collezione Giorgio Baratti, February 2020.
Tra Sacro e Profano - La Collezione Giorgio Baratti, international exhibition catalogue, Milan. Exhibition in Vilnius, Nationalmuseum - Palace of the Grand Dukes of Lithuania, 2020, text by Alessandro Nesi (trilingual).
Alessandro Nesi, Agnolo di Cosimo detto il Bronzino. Ritratto di giovane uomo. Addenda bibliografica e documentaria (three pages with comparative illustrations), n.d.

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