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Thursday, 22 September 2005

Max Liebermann

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Max Liebermann, 1847-1935 Berlin

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Max Liebermann,
1847-1935 Berlin

Skizzenbuch mit Zeichnungen von Gartenlokalen am Wannsee (1930-33)

Catalogue price € 8.500 - 10.000 Catalogue price€ 8.500 - 10.000  $ 9,520 - 11,200
£ 7,650 - 9,000
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Sketchbook with drawings of open-air-restaurants at Wannsee (1930-33)

Komplettes, querformatiges Skizzenbuch mit insgesamt 46 Seiten. Davon wurden 32 (inklusive der Innenseiten des Einbandes) benutzt. Heftung mit zwei Metallklammern, Pappeinband mit olivefarbenem Stoff überzogen, oben eine Gewebeschlaufe zum Einstecken eines Stifts. Kreide, bzw. Bleistift auf Papier 11 x 18,5 cm (Blattmaße). Bez. rechts unten auf der Innenseite des vorderen Deckels mit dem Nachlaßstempel in Schwarz.

Aufkleber und Notizen auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels:
Links oben ein rot/weißes Preisschildchen der Kunstmateralienfirma Leopold Hess (Genthinerstr. 25, Berlin W ) darauf (handschriftlich, mit Bleistift) (RM) “1-“; links davon ein kleiner, unidentifizierbarer Stempel (in Schwarz) mit der Nummer “970“; links quer (in Liebermanns Handschrift, mit Bleistift): “Klopstockstr. 56/1 / bei Herrn Krisch“; links unten (von anderer Hand [?], mit Bleistift) die Nummer “266“; links unten auf der zweiten Seite (von anderer Hand mit Bleistift): “1457 B. Nr. 13“;auf der Innenseite des hinteren Buchdeckels (in Liebermanns Handschrift, mit Bleistift): “Leontine Schwarz / Waitzstr 7 / Bleibtreu [?] 0572“; Auf einer Stuhllehne der 21. Zeichnung die Farbandeutung “gelb“. (Siehe Abbildung oben) Zustand: Gewebe außen verblichen und mit Farbklecksen verschmiert, an den Ecken etwas verschlissen. Innen minimale Farbspuren. Alle Beeinträchtigungen offensichtlich vom Gebrauch durch den Künstler selbst.

Provenienz:
Max Liebermann lt. Nachlaßstempel; Martha Liebermann; Privatbesitz; Sammlung Hans-Georg Karg, Bad Homburg-Gut Sossau/Gräbenstatt (erworben am 15.8.1988 über Galerie Pels-Leusden, Berlin).

“On revient toujours à ses premiers amours“ schrieb Max Liebermann am 13. 6. 1893 in einem Brief an seinen Freund Alfred Lichtwark (Hamburger Kunsthalle, Archiv 3a). Er meinte damit das Bild eines Gartenlokals, an dem er gerade arbeitete. Der Blick auf sein umfangreiches Werk zeigt, wie Max Liebermann - zwar mit langen Unterbrechungen - immer wieder auf dieses Motiv zurückkommt (vgl. Biergarten in Etzenhausen und Gartenlokal an der Havel (Eberle 1921/34). Bis zum Ende seines langen Lebens hat er das Motiv gut sechzig Mal gemalt (siehe Eberle 1934/1 +2). Als er nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs keine Studienfahrten mehr nach Holland unternehmen konnte, begann er Freilichtmotive in seiner unmittelbaren Umgebung zu suchen. Vor allem der eigene Garten seines Sommersitzes am Großen Wannsee (südwestlich von Berlin) wurde ihm zu einer unerschöpflichen Inspirationsquelle.

Doch er malte auch gern außerhalb des eigenen Reviers, insbesondere in den vielen Ausfluglokalen an den Ufern des Wannsees. Immer schon hatte er eine Vorliebe gehabt für Szenen mit vielen Menschen; gerne ließ er die Individuen im malerischen Gewimmel z. B. der vielen “Amsterdamer Judengassen“ untergehen. Diesen Eindruck boten auch die Gartenlokale am Wannsee an schönen Sonn- und Feiertagen. Seitdem Berlin sich in den 20er Jahren so enorm ausgedehnt hatte, war es nichts Besonderes, wenn an Ostern oder Pfingsten 20.000 Städter einen Ausflug nach Wannsee unternahmen. An einem Tisch sitzend konnte Max Liebermann die anderen Gäste bequem und unbemerkt observieren. Das vorliegende Skizzenbuch ist das Ergebnis solcher Visiten. Wie Max Liebermann selbst betonte, kann man anhand einer Zeichnung “die Phantasie des Künstlers vom ersten Augenblick, da sie Gestalt wird, verfolgen, sie zeigt sich deutlicher als im vollendeten Bilde, dessen schwerer zu bewältigendes Material und lange Arbeit sie ach! so oft bis zur Unkenntlichkeit verdecken. [...] Die Zeichnung ist die erste Niederschrift der künstlerischen Intuition; frei und unbehindert folgt der Stift der Phantasie des Künstlers, unter Weglassung jeden Details nur das Wesentliche andeutend“. (Max Liebermann: “Gedanken über die Zeichnung“, in: Die Zeichnung, Heft 6, Verlag Fritz Heyder, Berlin-Zehlendorf o. J.) [1921] Ein Skizzenbuch erweitert und vertieft diesen Eindruck. Man blickt dem Künstler nicht nur über die Schulter, man folgt seinem Blick auf die Welt. Während man in so einem Büchlein blättert, das der Künstler in der Jackentasche bei sich trug, merkt man, wie er es dreht und wendet (Z. 21/22), wie er hier die Gäste an ihren Tischen, dort einen vorbeifahrenden Dampfer oder ein Segelboot ins Auge faßt (Z. 19). 25 Zeichnungen entstanden im “Schwedischen Pavillon“, einem exklusiven Gartenrestaurant, das nur wenige Schritte von Max Liebermanns Anwesen in Wannsee entfernt lag. Max Liebermann muß dieses Lokal sehr geschätzt haben, denn am 30. 6. 1927 hatte er hier als Vorspiel zu seinem 80. Geburtstag 120 Gäste zu einem üppigen Festessen geladen. Auf einigen Ölgemälden (vgl. vor allem Eberle 1932/17), die in dieser Zeit entstanden, findet man die Gruppe der drei Damen an einem Tisch wieder (hier in der Mitte des Skizzenbuchs). Ihre Strohhütchen und die eindrucksvolle, füllige Rückseite der Dame in der Mitte, wurden auch in die Gemälde Eberle 1933/5 und 7 übernommen. Darüber hinaus enthält das Büchlein auf der Innenseite des vorderen Deckels die Karikatur eines Mannes. Die Zeichnung Nr. 6 ist ein Entwurf zu dem Doppelbildnis seiner Tochter mit Enkelin (Eberle 1930/4). Beiliegend eine Kaufrechnung über DM 15.000,- der Galerie Pels-Leusden, Berlin. (5906099)

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