Wednesday, 5 July 2017

Auction 16th - 18th century paintings

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Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544

Lot 417 / Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544

Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544 Detailabbildung: Vincent Sellaer, tätig um 1538 Mechelen – 1544

417
Vincent Sellaer,
tätig um 1538 Mechelen – 1544

ALLEGORIE DER CARITAS, UM 1540 Öl auf Holz.
79,5 x 59 cm.

Catalogue price € 50.000 - 100.000

 

Bildhafte Interpretation der Nächstenliebe, in der Kunstgeschichte auf mannigfaltige Weise illustriert. Als eine der Haupttugenden der christlichen Theologie wird die Caritas neben Hoffnung und Glaube in einen allegorischen Zusammenhang gebracht. In der Regel ist es die liebevolle Hingabe der Mutter, die ihren Kindern die Brust gibt, wie auch hier auf vorliegendem Gemälde. In klassischem Dreiecksaufbau, der auch an die Kunsttheorien der Renaissance erinnert, insbesondere an Leonardo da Vinci (1452-1519), ist hier die Hauptgruppe in hell aufleuchtendem Inkarnat wiedergegeben. Die junge Mutter mit entblößten Brüsten im Zentrum, auf ihren beiden Knien je ein Knäblein, das sich der Brust zuwendet. Die Körper der Kinder mit eleganter Geste durch die Hände der Mutter gehalten. Ein weiteres Knäblein erscheint über der Schulter und wendet sich liebkosend der jungen Mutter zu. Die Farbkomposition des Bildes ist im Wesentlichen auf die drei Grundfarben Rot, Blau und das nahezu weiße Inkarnat der Hauptfiguren beschränkt. Der positiven Deutung der Hauptfiguren entgegen, hat der Maler im Hintergrund ein Kinderpaar wiedergegeben: Rechts ein Knabe, der mit einer roten bärtigen Männermaske das Mädchen links oben erschreckt, das sich wie sprichwörtlich „in den Haaren rauft“. Das verschattet wiedergegebene dunklere Inkarnat deutet nicht allein ein Hintergrundgeschehen an, sondern ist vielmehr auch als inhaltlicher Gegensatz zur Tugend zu deuten: Als die der Nächstenliebe entgegengesetzte Neigung des Menschen zur Disharmonie.

Stilistisch ist das Gemälde ein typisches und hochrangiges Beispiel des Manierismus zu sehen, was auch der Vergleich mit weiteren weltberühmten Gemälden der italienischen Spätrenaissance belegt. So sei hier die „Allegoria del trionfo di Venere“ von 1540-1545 von Agnolo di C.Allori Bronzino (1503-1572) zu nennen, das sich in der Nationalgalerie London befindet. Auch dieses inhaltsverrätselnde Gemälde hat das Thema der Maske aufgenommen, wie wir dies auch in Pontormos (1494-1556/57) Gemälde „Venus und Amor“ um 1533 sehen, das sich in der Galleria dell´Accademia in Florenz befindet. Das verrätseln der Bildaussage war schließlich ein typisches Merkmal der manieristischen Kunst der Zeit.

Die Stadt Mechelen, in der Sellaer tätig war, wurde durch die Regentschaft der Habsburgerin Margarete von Österreich (1480-1530) zu einem kulturellen Zentrum in Flandern erhoben. Der italienische Einfluss war in der flämischen Kunst der Zeit bereits stark ausgeprägt, wie wir dies auch in den Werken von Joos van Cleve (um 1485 - um 1540) sehen. Es steht auch die Vermutung im Raum, das Sellaer eine Italienreise unternahm und dort mit Werken der florentiner Manieristen bekannt wurde.
In der grafischen Sammlung des Louvre befindet sich eine Zeichnung, inhaltlich nahezu identisch mit dem uns vorliegenden Gemälde (Inventarnummer „2806“). In der Forschung wurde diese Zeichnung für eine Kopie nach einem verlorenen Gemälde Bronzinos angesehen (Catherine Monbeig Goguel), später einem französischen Künstler in der Nachfolge von Salviati (Dominique Cordellier) zugeschrieben. Eine weitere Replik zum vorliegenden Gemälde von Sellaer aus einer Privatsammlung wurde 2015 bei Sotheby´s New York verauktioniert (04.06.15, Lot 21).

Literatur:
Vgl. P. Wescher, Zu Vincent Sellaer, in: „Belvedere“, 1930, 17, S. 14-15.
Vgl. A.E. Popham, Charity; British Museum; from the Sloan Collection, in: „Old master drawings“, 6.1931/32([1932?]), 52-53.
Vgl. M. Pfister-Burkhalter, Vincent Sellaer (active around 1538), Allegory of Charity - Basel, Kupferstichkabinett (Inv. Nr. U. VI, 34), in: „Old master drawings“, 13.1938/39([1939?]), S. 64-66.
Vgl. S. Sulzberger, L' influence de Léonard de Vinci et ses répercussions à Anvers, in: „Arte lombarda“, 1955, 1, S. 105-111.
Vgl. Sotheby's, New York, Old Master Paintings, 5 Juni 2008, lot 18.
Vgl. A. Diéguez Rodríguez, Una Santa Cena de Vincent Sellaer identificada en El Escorial y otra en el Maagdenhuismuseum de Amberes, in: „Reales sitios“, 49, 2012, 194, S. 36-43. (1110851) (11)


Vincent Sellaer,
active ca. 1538 Mechelen - 1544

ALLEGORY OF CARITAS, ca. 1540

Oil on panel.
79.5 x 59 cm.

Pictorial interpretation of Christian Charity, illustrated in manifold ways through the course of the history of art. As one of the main virtues of Christian theology, here, an allegorical connection is made between Caritas alongside Hope and Faith. Stylistically, the painting can be considered as a typical and high-ranking example of Mannerism as a comparison of the painting on offer in this lot with other world famous paintings of the Italian Late Renaissance - for example the “An Allegory with Venus and Cupid” by Agnolo Bronzino (1503 - 1572), dated 1540 - 1545, held at the National Gallery, London - proves. The Louvre's Graphic Collection holds a drawing of almost identical content as the painting presented in this lot (inventory no. 2806). Research initially considered this drawing to be a copy of a lost painting by Bronzino (Catherine Monbeig Goguel), and it was later attributed to a French artist in the style of Salviati (Dominique Cordellier). Another replica of the painting for sale in this lot by Sellaer was sold at auction from a private collection in 2015 at Sotheby's in New York (4 June, lot 21).

Literature:
Compare P. Wescher, 'Zu Vincent Sellaer', in: Belvedere, 1930, 17, pp. 14-15.
Compare A.E. Popham, 'Charity; British Museum; from the Sloan Collection', in: Old master drawings, 6.1931/32 ([1932?]), pp. 52 -53.
Compare M. Pfister-Burkhalter, 'Vincent Sellaer (active around 1538), Allegory of Charity - Basel', Kupferstichkabinett (inv. no. U. VI, 34), in: Old master drawings, 13.1938/39 ([1939?]), pp. 64-66.
Compare S. Sulzberger, 'L'influence de Léonard de Vinci et ses répercussions à Anvers', in: Arte Lombarda, 1955, 1, pp. 105-111.
Compare Sotheby's, New York, Old Master Paintings, 5 June 2008, lot 18.
Compare A. Diéguez Rodríguez, 'Una Santa Cena de Vincent Sellaer identificada en El Escorial y otra en el Maagdenhuismuseum de Amberes', in: Reales sitios, 49, 2012, 194, pp. 36-43.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.