Saturday, 23 September 2006

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Musiksekretär mit eingebautem Uhrwerk und Orgelwerk mit Holzpfeifen

1497
Musiksekretär mit eingebautem Uhrwerk und Orgelwerk mit Holzpfeifen

WERK
Ein-Tag-Gehwerk. Pendel mit Fadenaufh√§ngung. Vier-Viertel- und Stundenrechenschlagwerk auf zwei Glocken. Fl√∂tenwerk (wohl Jacob Grubner) aus Messing mit Antrieb durch ein Eisengewicht und kleinem Blasebalg als akustische Aufzugsbegrenzung. 28 Holzpfeifen mit Blasebalg, sechs Holzwalzen mit Messingstiften: a.) Il tanti palpiti et Marsch aus Tancred (Arie aus der Oper Tancred von Rossini 1813), b.) Aline Walzer (Wenzel M√ľller 1822), c.) Marsch aus Alfred (Gallenberg 1820), d.) Romance avec Variationen, e.) Deutsche..., f.) Duett aus Sargino (Paer 1803).
FUNKTIONEN
Stunde und Minute. St√ľndliche Ausl√∂sung f√ľr die Orgel.
GEH√ĄUSE
Empire-Klappsekret√§r aus Mahagoni. Auf ebonisierten L√∂wenklauenf√ľ√üen stehend. Ringsum ein Fries aus Blattdekor. Der Unterbau zweit√ľrig mit aufgesetzten Rosetten mit Abdeckung der Schl√ľssell√∂cher. Die Sekret√§rklappe mit feinst durchbrochen gearbeitetem Bronzebeschlag. Als Schl√ľsselschild an den Seiten Lisenen mit geschnitzten Figuren, schwarz gefasst und vergoldet. Rosettenapplikationen. Das gebogte Gesims mit Ochsenaugendekor. Gefasst und vergoldet. Im Zentrum die Uhr mit seitlichen Klangausl√§ssen mit gr√ľnem Stoff verblendet. Seitlich T√ľren zum √Ėffnen. R√ľckwand offen.
ZIFFERBLATT
Emailzifferblatt mit arabischen Ziffern. Über der “6“
Sign. ‚ÄúGottlieb M√ľller in Wien‚Äú.
ZUSTAND
Gut.
Schl√ľssel und eine Kurbel vorhanden.
Weiterhin vorhanden sechs Musikwalzen.
H.: 150 cm. B.: 80 cm.
T.: 46 cm.
Wien, um 1800.
Literatur: Vgl. Abeler, J√ľrgen: Meister der Uhrmacherkunst, Wuppertal 1977, S. 441.
Anmerkung:
Gerade die erste H√§lfte des 19. Jhdts. war in Wien von einem aufbl√ľhenden und prosperierenden Gewerbe der Spieluhr- und Spielwerkherstellung gepr√§gt wie sonst keine andere Zeit vor- oder nachher, und die Qualit√§t der Erzeugnisse, ihre spezifische Bauart und ihre Musik machten Wien f√ľr einige Jahrzehnte zu einem wichtigen Zentrum des Musikautomatenbaus. Nicht nur die kulturell-musikalischen Bed√ľrfnisse der Wiener Bev√∂lkerung wurden von den heimischen Werkelmachern, Spieluhrenfabrikanten und Musikmaschinisten befriedigt, die Erzeugnisse gingen auch in alle Kronl√§nder der Monarchie, und insbesondere die Fl√∂tenuhr aus Wien erfreute sich bald eines internationalen Ansehens und einer dementsprechenden Nachfrage. Die Fl√∂tenwerke erreichen Konstantinopel, Bukarest, St. Petersburg, Dresden, Frankfurt und Paris - der Uhrspielwerkfabrikant Anton Bayer ging sogar nach Neapel und arbeitete dort f√ľr den k√∂niglichen Hof. Das gehobene B√ľrgertum und der Adel fanden ihr Vergn√ľgen an Fl√∂tenwerken, die in Kombination mit Uhren oder anderen M√∂belst√ľcken auch eine besondere Zierde der Einrichtung darstellten - der gro√üe Luxus, der bei der Ausgestaltung der Gegenst√§nde oft angewendet wurde , wird schon in den zeitgen√∂ssischen Quellen angemerkt, die die Musik in der Presse au√üerordentlich gelobt. Die gro√üe Nachfrage nach Fl√∂tenwerken in der Biedermeierzeit l√§sst sich daran erkennen, dass f√ľr die Zeit der ersten H√§lfte des 19. Jhdts. zirka 40 ‚Äúmusikalische Spielmaschinisten‚Äú, ‚ÄúFl√∂tenspielmacher‚Äú und ‚ÄúUhrspielewerkfabrikanten‚Äú in den Adressb√ľchern auf
scheinen. Auch in den Gewerbeausstellungen dieser Zeit
werden Fl√∂tenwerke gezeigt und pr√§miert. Die fr√ľhesten Fl√∂tenuhren waren als Tischuhren konzipiert. Einerseits war das Fl√∂tenwerk mit 17 bis 30 Pfeifen in das Geh√§use selbst eingebaut, das Geh√§use dementsprechend gr√∂√üer und architektonisch reicher gestaltet, um den Federantrieb, Blasb√§lge, Walze und Pfeifenwerk unterbringen zu k√∂nnen. Andererseits befindet sich das Fl√∂tenwerk in einem k√§stchenartigen Unterbau, auf dem in organischer Verbindung die Uhr in einem dazu passenden Geh√§use montiert ist. Von allen M√∂belformen, die f√ľr den Einbau der Fl√∂tenwerke gew√§hlt wurden, waren die Schr√§nke und Schreibsekret√§rs am beliebtesten und auch von den Platzverh√§ltnissen f√ľr das Musikwerk am g√ľnstigsten zu n√ľtzen. Hier konnte man leichter mehr und gr√∂√üere Pfeifen, sowie einen Schacht f√ľr das Gewicht unterbringen. Die M√∂bel selbst zeichneten sich durch erstklassige Qualit√§t aus. Die schlichte Eleganz erh√§lt durch Schnitz- und Einlegearbeiten, vergoldete Appliken und Beschl√§ge zus√§tzlich Glanzpunkte aufgesetzt. Das Innere der Sekret√§re ist zuweilen mit Markerterien, Spiegeln und Vedutenmalereien reich verziert. Viele M√∂belst√ľcke mit Fl√∂tenwerk haben auch eine Uhr eingebaut, die mitunter das Spielwerk st√ľndlich ausl√∂st. Jedes Fl√∂tenwerk war auf die speziellen W√ľnsche des Kunden ausgerichtet, Tonumfang, Registeranzahl, Spieldauer der Walzen und nat√ľrlich das musikalische Programm wurden individuell zwischen dem K√§ufer und dem Hersteller vereinbart. So waren diese Objekte auch schon damals in der Anschaffung √ľberaus teuer: der Preis einer Fl√∂tenuhr entsprach meist einem Jahresgehalt der mittleren Einkommensschichten. Keine Frage also, dass diese Luxusgegenst√§nde der Biedermeierzeit heute zu den kostspieligen Antiquit√§ten z√§hlen. Das musikalische Repertoire wurde zu einem gro√üen Teil aus Opern gesch√∂pft, √§u√üerst beliebt waren auch Nummern von in Wien gespielten B√ľhnenwerken. Melodien der in Wien herausgebrachten Singspiele, Possen und Balette sowie die popul√§ren Parodien auf die gro√üe Oper wurden somit verewigt. Auch die Entwicklung der heimischen Tanzmusik von Menuett bis zum Walzer l√§sst sich auf den Walzen verfolgen. Originalkompositionen f√ľr die Fl√∂tenuhr schrieben Haydn, Mozart und Beethoven. Von gro√üer Bedeutung ist, dass die Musik auf den Walzen gleichsam f√ľr alle Zeiten fixiert wurde und eine authentische Interpretation daher unbeeinflusst von wechselndem Geschmack √ľberdauert hat. Mit den Musikautomaten haben wir die einzigartige M√∂glichkeit, diese Musik genau so zu h√∂ren wie die Menschen, die sie sich mit den Uhren und M√∂belst√ľcken in ihre Wohnungen und Salons holten. Es sind die Nachkl√§nge der B√§lle des Wiener Kongresses, der Opernabende und der Tanzveranstaltungen in den Vorst√§dten, die uns auf diese Weise erhalten geblieben sind. Wenn wir heute diese Musikautomaten wieder zum Spielen bringen, kann ein kleiner Bereich der Vergangenheit wieder Wirklichkeit werden und in uns zumindest eine Ahnung von damaligen Lebensgef√ľhl erwecken.
(631822)

Catalogue price ‚ā¨ 36.000 - 43.000 Catalogue price‚ā¨ 36.000 - 43.000  $ 40,320 - 48,160
£ 32,400 - 38,700
元 286,560 - 342,280
₽ 2,866,320 - 3,423,660

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