Wednesday, 26 September 2018

Auction 14th - 18th Century Paintings

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Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596

Lot 627 / Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596

Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596 Detailabbildung: Hermann Tom Ring, 1521 Münster – 1596

627
Hermann Tom Ring,
1521 Münster – 1596

MARIA MIT DEM KIND UND IHREN ELTERN ANNA UND JOACHIM Öl auf Eichenholz. Parketiert.
86 x 127 cm.

Catalogue price € 100.000 - 150.000

 

Das religiöse Bildthema ist in einem zeitgenössischen Innenraum vorgestellt, was dem Gemälde nahezu den Charakter eines Genrebildes verleiht. Die Heiligkeit der Personen durch keinerlei Attribute wie etwa Nimben gekennzeichnet, einzig die traditionelle Körperhaltung von Maria mit dem Kind verrät augenblicklich das religiöse Thema, nicht zuletzt zusammen mit der Darstellung einer von rechts hereinschwebenden Engelsgestalt mit dunklen Flügeln. Die Hauptfigur, Maria mit dem Kind, im Darstellungszentrum. Ihre beigesellten Eltern, Anna links und Joachim am Haupt eines Tisches, der mit Brot, Weinkanne, Früchten und Käse gedeckt ist, wie zur Bewirtung. Maria ist sitzend gezeigt, einzig sie ist dem Betrachter zugewandt, mit leicht nachdenklich geneigtem Haupt, während sie das nackte Kind mit ihrer rechten Hand stützt, das einen Löffelstiel zum Mund führt, in ihren Fingern das links hochgezogene weiße Laken. Mit der rechten Hand hält sie einen korallenfarbenen Rosenkranz, ähnlich der Halskette des Kindes. Mutter Anna, in rotem Gewand mit weißem Haubentuch, streckt beide Hände in nahezu segnender Geste dem Kind entgegen, mit der linken die Schulter berührend, was die Heiligkeit des Kindes betont. Dagegen ist Joachim mit Lesebrille gezeigt, in einem Buch, d. h. dem Alten Testament, zu lesen, eine Bildmetapher, die ausdrücken soll, dass er die auf den Messias zu deutenden Stellen der Propheten liest, in Bezug auf das Jesuskind. Die große dunkle Traube in der Hand des in den Raum hereinschwebenden Engels sind als Verweis auf den Wein des Abendmals und damit den künftigen Opfertod Christi zu verstehen, wohingegen sich unter den im Korb rechts, sowie auf dem Tisch, noch keine Trauben finden. Auch diese dort gezeigten Früchte wären der nachmittelalterlichen Bildikonographie gemäß zu deuten, ebenso die weißen Rosen in der Vase in der rechten unteren Ecke. Im Grunde ist die Gesamtdarstellung ikonographisch auch als "Anna Selbdritt"-Thema zu sehen, mit Zufügung von Joachim und dem Engel, dessen Dunkelfärbung der Flügel – im Gegensatz zum Verkündigungsthema – wohl als Vorbedeutung des Todes Jesu zu verstehen ist.
Von zusätzlichem Interesse und besonderem Reiz sind die feinmalerisch dargestellten Gegenstände der Raumausstattung: ein Hohlspiegel links oben, wie wir in etwa in Van Eycks Bildern finden, Pilgerflasche, Kerzenleuchter, ein Kleinkind-Flaschenbeutel an der Wand, sowie ein Vogelkäfig. Dies alles vermittelt den authentischen Eindruck einer Stube des 16. Jahrhunderts. Die Wandaufschrift über dem Käfig "ECCE VIRGO OCCIPIET ET PARIET FILIUM" ("Sehet, die Jungfrau wird wird empfangen und einen Sohn gebären") entstammt der Prophetie Jesaias (Kap. 7) und bezieht sich auf die Lektüre des Joachim, wie natürlich auch auf den Bildinhalt selbst. Auffallend ist der auf der Tischplatte liegende goldene Ring.
Trifft die o. g. Zuschreibung zu, so handelt es sich um den Maler der münsterländischen Künstlerfamile tom Ring, Sohn des Ludger tom Ring und Bruder des Ludger II. Herrmann war Geselle in den Niederlanden, kehrte spätestens 1544 nach Münster zurück; nach seinem Erstlingswerk, einem Selbstbildnis (um 1544) schuf er ausnahmslos für katholische Kirchen seiner Heimatstadt, in der er ab 1569 die Leitung der Malervereinigung übertragen bekam. In jedem Falle jedoch handelt es sich hier um ein hochrangiges, museales Werk des 16. Jahrhunderts.

Technische Untersuchung :
Univ. Hamburg, Fakultät f. Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, Zentrum Holzwirtschaft, Prof. Dr. Peter Klein (7.8.2018): Technischer Bericht der dendrochronologischen Analyse für die Holztafelpartien des Bildes mit dem Ergebnis des Holzwachstums der Zeit: spätestens 1549, daher der Bemalung (nach Trocknung) ab ca. 1565.

Literatur:
Theodor Riewerts und Paul Pieper, Die Maler Tom Ring, Ludger der Ältere – Hermann – Ludger der Jüngere. Deutscher Buchverlag 1960. (1161451) (2)


Hermann Tom Ring,
1521 Münster – 1596

MARY WITH THE CHILD AND HER PARENTS ANNA AND JOACHIM

Oil on oak panel. Parquetted.
86 X 127 cm.

The religious subject is shown in a contemporary interior giving the painting almost the character of a genre painting. The saints are not characterized by any attributes such as halos, just the traditional postures by Mary with the Child immediately reveal the religious topic, not least in conjunction with a depiction of an angel with dark wings floating in from the right. The large dark grape in the hand is a reference to the Last Supper and therefore Christ's future martyrdom. Essentially the whole depiction's iconography can also be seen as an Anna Selbdritt subject, with the addition of Joachim and the angel whose dark wings – in contrast to the annunciation subject – is probably to be understood as an omen to the death of Jesus. The objects of the interior furnishings are executed in fine painting and are therefore of additional interest and especially charming, for example a concave mirror in the top left, as can also be found in paintings by van Eyck. The wall inscription above the cage "ECCE VIRGO OCCIPIET ET PARIET FILIUM" (Behold, the virgin will be with child and will give birth to a son) originates from the prophecy of Isaiah (chapter 7) and refers to the readings of Saint Joachim, as of course the subject of the painting itself. If the above mentioned attribution is correct, the painting was created by the painter Hermann tom Ring, member of the famous Münster artist family, son of Ludger tom Ring and brother of Ludger II. Hermann was a journeyman in the Netherlands and returned to Münster in 1544 at the latest. After his first work, a self-portrait (ca. 1544) he only painted for the catholic churches in his hometown, where he was voted head of the painter's association from 1569 onwards. In any case this is a high-ranking 16th century painting of museum quality.

Technical testing:
Univ. Hamburg, Faculty for Mathematics, computer and natural sciences, centre for wood science, professor Dr Peter Klein (7 August 2018): Technical report of the dendrochronological analysis of the wood panel parts of the painting with the result of the wood growth of the time: not later than 1549, therefore painted (after drying) from ca. 1565.

Literature:
T. Riewerts/ P. Pieper, Die Maler Tom Ring, Ludger der Ältere - Hermann - Ludger der Jüngere, Deutscher Buchverlag 1960.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.