Thursday, 28 September 2017

Auction Impressionism & Modern Art

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Henri-Théodore Fantin-Latour, 1836 – 1904

Lot 623 / Henri-Théodore Fantin-Latour, 1836 – 1904

Detailabbildung: Henri-Théodore Fantin-Latour, 1836 – 1904 Detailabbildung: Henri-Théodore Fantin-Latour, 1836 – 1904 Detailabbildung: Henri-Théodore Fantin-Latour, 1836 – 1904 Detailabbildung: Henri-Théodore Fantin-Latour, 1836 – 1904

623
Henri-Théodore Fantin-Latour,
1836 – 1904

BOUQUET DE DAHLIAS, 1874 Öl auf Leinwand.
49 x 40 cm.
Links unten signiert und datiert.

Catalogue price € 180.000 - 220.000

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Dieser zarte Strauß Pompon-Dahlien aus dem Garten des Künstlers kann in seiner sorgfältigen Durcharbeitung mit den prächtigsten Blumenbouquets des Goldenen Zeitalters der holländischen Malerei konkurrieren. Gekonnt in Szene gesetzt vor einem neutralen Hintergrund in einem warmen Grauton, nimmt er das Zentrum der Leinwand ein und entfaltet sich in einer hohen schlanken Vase. Aus bläulichem Glas gefertigt, lässt diese Vase die langen schlanken Stiele erahnen, die wie ein feines Gerüst die üppige Blütenpracht tragen. Die Komposition des Bouquets ist sowohl ausstrahlend wie auch in sich gebündelt. Die Köpfe der Blumen richten sich in alle Richtungen, als würden sie allseits Ausschau halten. Die Farben, teils sehr kräftig, teils sehr zart, sind harmonisch verteilt. Hier und da erheben sich Knospen aus dem Strauß sowie einige Blätter in einem grünen Pastellton. Die Einfachheit erhält hier etwas sehr Edles. Die zufällig erscheinende Straußkomposition ist in Wahrheit harmonisch zusammengestellt. Jede Blüte, jedes Blatt ist mit Sorgfalt ausgearbeitet, um die Einzigartigkeit der Form und die zarten Farbnuancen wiederzugeben. Obwohl das Bild von jeglicher ikonographischer Absicht befreit ist, die die Vergänglichkeit der Dinge vor Augen führen soll, steht dieser Strauß, dessen Blumensorte erst Anfang des 19. Jahrhunderts nach Europa kam, in der großen Tradition der Stillleben, in der jede Blume Symbolcharakter hat.
Henri-Théodore Fantin-Latour ist ein französischer Maler, der von seinem Vater, einem Portraitisten, ausgebildet wurde. Von diesem hat er das große Talent in diesem Genre übernommen. Er setzt seine Ausblidung an der École des Beaux-Arts in Paris fort, besucht regelmäßig den Louvre, wo er große Meister kopiert. Hier entwickelt er eine Begeisterung für die venezianische Malerei, vor allem für die von Titian (1485-1576) und Veronese (1528-1588). Er schließt Freundschaft mit Édouard Manet (1832-1883), Berthe Morisot (1841-1895) und später mit James Abbot McNeill Whistler (1834-1903), der ihn mit nach England nimmt und einer Klientel vorstellt, die sich für seine Stillleben, im speziellen die Blumenstilleben, begeistert. Außerdem mit dem realistischen Maler Gustave Courbet (1819-187) und den Impressionisten befreundet, behält er nichtsdestotrotz seinen eigenen Stil und orientiert seine Malerei hin zu Gruppenportraits, wovon die berühmtesten Exemplare im Musée d'Orsay aufbewahrt sind. Später zieht er sich in die Normandie nach Buré zurück und widmet sich dort fast ausschließlich seinen Blumensträußen, die er in seinem Garten pflückt. Das vorliegende Gemälde bildet ein hervorragendes Beispiel dafür durch seine Natürlichkeit und Frische. Fantin-Latour scheint hier seine gesamte Kunst zusammenzufassen, indem er ein Blumenportrait schafft, in dem die Poesie den Realismus des Duktus durchdringt. †

Literatur:
Das Gemälde ist aufgeführt im Werkverzeichnis von Mm. Fantin-Latour zu Henri Fantin-Latour, 1911, S. 76, Nr. 688. (1120634) (10)


Henri-Théodore Fantin-Latour,
1836 – 1904

BOUQUET OF DAHLIAS, 1874

Oil on canvas.
49 x 40 cm.
Signed and dated lower left.

The meticulous elaboration of this delicate bouquet of pompon dahlias from the garden of the artist could compete with the most magnificent bouquets of the Golden Age of Dutch painting. Even though the painting lacks any kind of iconographic intention to visualize the ephemerality of things, the bouquet, whose flower variety only reached Europe at the beginning of the 19th century, is part of a great still life painting tradition, in which each flower contains symbolic meaning. The French artist Fantin-Latour trained with his father who was a portraitist. He continued his studies at the École des Beaux-Arts in Paris. Here, he developed great enthusiasm for Venetian painting. He formed friendships with Edouard Manet, Berthe Morisot and later with James Whistler, Gustave Courbet and the Impressionists. Nonetheless, he remained true to his own style and specialised in group-portraits, the greatest examples of which are held at the Musée d'Orsay. The present painting is an excellent example as it is natural and fresh. Fantin-Latour appears to sum up his entire art here by truly creating a bouquet portrait, where the poetry permeates the realism of the brushwork. †

Literature:
The painting is recorded in the catalogue raisonné of Mrs Fantin-Latour regarding Henri Fantin-Latour, 1911, p. 76, no. 688.