Saturday, 28 March 2009

Auction Works of Art, Arms and hunting objects

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Bedeutende Stein-Madonna
Detailabbildung: Bedeutende Stein-Madonna
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Detail images:  Bedeutende Stein-Madonna

Lot 790 / Bedeutende Stein-Madonna

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790
Bedeutende Stein-Madonna

Höhe: 175 cm.
Nordfrankreich, um 1370.

Catalogue price € 80.000 - 100.000 Catalogue price€ 80.000 - 100.000  $ 90,399 - 112,999
£ 68,000 - 85,000
元 606,400 - 758,000
₽ 5,803,200 - 7,254,000

 

Lebensgroße Standfigur in Kalkstein auf mitgemeisseltem, querrechteckigem Sockel mit abgeschrägten Ecken. Die Madonna in gegürtetem Kleid und einem mit Schnüren an der Brust zusammengehaltenem Mantel, den sie mit der rechten Hand hochzieht. Zu ihrer Linken hält sie das Jesus-Kind, das seinen Arm auf ihre Brust stützt und eine Traube hält. Das Kind mit nacktem Oberkörper. Die Zehenspitzen leicht unter dem Saum des Tuches, das den Unterkörper bedeckt, hervortretend. Der Kopf der Madonna leicht vorgeneigt, gerahmt von seitlich herabfließendem Tuch, das sich an ihrer rechten Schulter leicht einrollt. Wellig wiedergegebenes Haar, das unter dem Schleier hervortritt. Krone mit Akanthusblattzacken und dazwischen stehenden, niedrigeren Lilien über ornamentiertem Kronreif. Enge Miedertaille, darunter flacher Gürtel, die Gürtelspangen oval, feingemeisselte, kettenförmige Ösenverbindung. Darunter zieht das Kleid in C-förmigen, nach links verlaufenden Falten zu Boden. Die beiden Fußspitzen unter dem Saum leicht vortretend. Sprechender Gesichtsausdruck in nachdenklicher Besinnlichkeit, die Pupillen leicht nach oben gerichtet, wie in die Weite blickend. Der Augenschnitt in der markanten, typischen Weise der französischen Sakralplastik. Das Kinderköpfchen lächelnd wiedergegeben, mit entsprechendem Augenschnitt, das kurze Haar fein gemeisselt. Die Figur hinten leicht gehöhlt. Reste alter Fassung, insbesondere dunkler Fassung am Gürtel, Goldfassung in der Krone und im Geschnüre; ansonsten ist die farbige Bemalung verloren, jedoch an einigen Stellen, z.B. am Gewandmantelsaum in Rot, erhalten. Mit schöner Alterspatina. Die Steinskulptur ist ein frühes und qualitätvolles Beispiel des sog. “Weichen Stils”, der um 1400 seinen Höhepunkt erfährt und zum Begriff der “Schönen Madonna” geführt hat. An die Stelle der zuvor geltenden starren, schweren und körperbetonten Figurensprache tritt nun die elegante Haltung, betont durch runde, fließende, weniger tiefe Falten und Mulden, aber auch durch den etwas verträumten und nachdenklichen Gesichtsausdruck, der bei dieser Plastik voll zur Geltung kommt. Der deutsche Kunstbegriff des “Weichen Stils” (1907 in die Wissenschaft eingeführt) erfuhr später die Ersatzbezeichnung “Internationale Gotik”. Ausgangspunkt dieses Stils war die künstlerische Wirkungsachse zwischen Paris und Prag. Unter diesem Gesichtspunkt ist die vorliegende Steinfigur von hoher kunsthistorischer Bedeutung. Eine vergleichbare Figur befindet sich in der Collektion Comt Oriola.
Veröffentlicht in: Verkaufskatalog Maison Frederick Muller&Cie, Amsterdam, 1932, Abb. S. 50 (dort jedoch lediglich in der Höhe von 123,5 cm).

Literatur:
Legner: Die Parler und der Schöne Stil 1350 - 1400, Europäische Kunst unter den Luxemburgern, Bd. I - III, Köln, 1978.
Ausstellungskatalog, Museum Schnütgen in der Kunsthalle Köln, 1978.
M. Schwarz, Höfische Skulptur im 14. Jahrhundert. Entwicklungsphasen und Vermittlungswege im Vorfeld des Weichen Stils, Bd. I - II, Worms, 1986. (732071)

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