Thursday, 28 September 2017

Auction 16th - 18th century paintings

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Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug.

Lot 740 / Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug.

Detailabbildung: Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug. Detailabbildung: Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug. Detailabbildung: Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug. Detailabbildung: Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug. Detailabbildung: Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug. Detailabbildung: Andrea Locatelli, 1695 Rom – 1741, zug.

740
Andrea Locatelli,
1695 Rom – 1741, zug.

WEITE LANDSCHAFT MIT FANTASIEVOLLER DARSTELLUNG DES SIBYLLENTEMPELS IN TIVOLI MIT FIGURENSTAFFAGE Öl auf Leinwand.
136 x 74 cm.

Catalogue price € 100.000 - 130.000

 

Das Gemälde betont breitformatig angelegt; die Hauptgegenstände der Darstellung, wie der vor einem Berggipfelhintergrund stehende antike Rundtempel und die im Vordergrund wiedergegebene Hirtenszene, seitlich eingefasst durch Repoussoir in Form hochstehender Baumgruppen rechts sowie einem links am Bildrand hochziehenden Felsen mit davorstehenden jüngeren Bäumen. Die Rundtempel- und Schloßanlage in diesigem Licht eines Spätnachmittags wesentlich klarer in den Farben, die Hirtengruppe im Vordergrund: Ein auf einem Schimmel reitendes Mädchen, umgeben von Schafen und Ziegen, daneben auf der Anhöhe, die Gruppe begleitend, ein weiterer Schäfer mit seinen Tieren auf dem Heimweg, der untergehenden Sonne entgegen. Ein kräftiger junger Schäfer mit nacktem Oberkörper und blauem Tuch schreitet dem Betrachter entgegen, hält die Hand erhoben und blickt der Schäfergruppe grüßend nach, wirkungsvoll von der Abendsonne beleuchtet. Als besonderes Detail kann links unter den Schatten der Felsen eine nach rechts schreitende Frau gesehen werden, die in Begleitung eines Hündchens einen Höhenweg heraufzieht.
Die unterschiedlichen Lichtwirkungen, die nach hinten sich leicht verflüchtigenden Umrisse, die rötlich erleuchteten Abendwolken am Horizont lassen im Gegensatz zu den tiefen Schatten der Baumgruppen die hohe Meisterschaft des Werkes erkennen. Das breitformatig angelegte, ideale Landschaftsbild wirkt bühnenartig auf den Betrachter.

Neben der hohen für den Maler Locatelli typischen Bildqualität ist auch das Lacksiegel auf der Rückseite zu erwähnen: Damit ist dokumentiert, dass sich das Gemälde ehemals in hochhöfischem Besitz befand. Das Siegel trägt ein bekröntes Allianzwappen des königlichen Hauses Bourbon - Spanien, verbunden durch Bourbone di Napoli, Sizilia. Aus der Zeit des Carlo di Bourbone (1716-1788), bekannt als Karl III von Spanien. Carlo war als Karl III König von Spanien als Karl V von Sizilien und als Karl VII König von Napoli Inhaber dreier Titel. So zeigt das Allianzwappen im Siegel die Vereinigung der Königreiche Neapel und Sizilien sowie von Spanien im rechten Wappen.
Von nicht unerheblicher Bedeutung im Zusammenhang mit dem ehemaligen Besitz ist das Format des Gemäldes, das sich als betont breitformatig zeigt und an ein Supraportbild denken lässt. Hierbei ist zu erwähnen, das Locatelli für Victor Amadeus II von Savoyen zwischen 1723 und 1725 zwei Gemälde für dessen Schloss Rivoli in Turin schuf, beauftragt durch den Architekten Filippo Juvarra (1678 Messina-1736 Madrid) und dass er darüber hinaus zwei Supraportbilder für König Philipp V von Spanien in La Granja, ebenfalls durch Juvarra vermittelt, ferner 1728 zwei Supraporten für den Palazzo Corsini schuf. So wird der Zusammenhang zwischen Locatellis vorliegendem Werk und dem spanischen Auftraggeber, dokumentiert durch das umseitige Siegel evident. AR

Literatur:
Andrea Busiri-Vici, Andrea Locatelli, Rom 1976, S.8.
Eugenio Battisti, Juvarra a San Ildefonso, in: Commentari, 1958, S. 273ff. und 278. (1120863) (130800) (11)


Andrea Locatelli,
1695 Rome - 1741, attributed

WIDE LANDSCAPE WITH IMAGINATIVE DEPICTION OF THE TEMPLE OF SIBYL IN TIVOLI WITH FIGURE STAFFAGE

Oil on canvas.
136 x 74 cm.

The painting is in elongated landscape format. The focus of the depiction is an antique monopteron set in the mountain peaks in the background and a pastoral scene in the foreground. The artist's mastery is obvious in the nuancing of the light effects, the increasingly blurred outlines of the objects into the background, the evening clouds on the horizon glowing in a reddish light set in contrast with the dark shadows of the group of trees. The panoramic format of the landscape is arranged like a stage for the viewer. Apart from the painting's high quality typical for Locatelli, a lacquer seal on the reverse is relevant as it records that the painting was formerly part of an important royal estate. The seal bears an alliance coat of arms of the Royal House of Bourbon-Spain in combination with the House of Bourbon of Naples-Sicily surmounted by a crown. This is the period of Charles de Bourbon (1716 - 1788), also known as Charles III of Spain. He also held two further royal titles as Charles V of Sicily and as Charles VII of Naples. The alliance coat of arms of the seal shows the union of the kingdoms of Naples and Sicily as well as Spain in the coat of arms on the right. The wide landscape format of the painting and its former context are important as they suggest the painting's original position as an overdoor painting. It is also worth mentioning that Locatelli was commissioned by the architect Filippo Juvarra (1678 - 1736) to create various overdoor paintings, among others, for King Philipp V of Spain. The seal on the reverse makes a connection between Locatelli's painting on offer for sale in this lot and a Spanish commissioner evident.

Literature:
A. Busiri-Vici, Andrea Locatelli, Rome 1976, p. 8.
E. Battisti, "Juvarra a San Ildefonso", in: Commentari, 1958, pp. 273 and p. 278.

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