Wednesday, 25 March 2015

Auction 16th - 18th Century Paintings

» reset

Agostino Carracci, 1557 – 1602, zug.

Lot 526 / Agostino Carracci, 1557 – 1602, zug.

Detailabbildung: Agostino Carracci, 1557 – 1602, zug. Detailabbildung: Agostino Carracci, 1557 – 1602, zug. Detailabbildung: Agostino Carracci, 1557 – 1602, zug. Detailabbildung: Agostino Carracci, 1557 – 1602, zug.

526
Agostino Carracci,
1557 – 1602, zug.

THRONENDE MADONNA MIT KIND, HEILIGEM BERNHARD UND PAULUS EREMITA Öl auf Leinwand.
271 x 166 cm.

Catalogue price € 70.000 - 100.000

 

Dem Gemälde ist eine Expertise von Jürgen Winckelmann beigegeben.

Das außergewöhnliche Altargemälde liefert einen wertvollen Hinweis für die schwierige Rekonstruktion der ersten Jahre Agostino Carraccis, dem älteren Bruder von Annibale und Cousin von Ludovico. Das Werk ist in die Jahre um 1580 bis 1582 datierbar, eine Zeit, in der Agostino eine eigene Stimme in der Kunstszene Bolognas erhält, nachdem er seine künstlerische Ausbildung bei Prospero Fontana und danach bei Bartolomeo Passerotti erhalten hatte. Zusammen mit Annibale und Ludovico betrat er einen neuen, alternativen Weg abweichend von den gängigen Strömungen des Spätmanierismus hin zu einer helleren und stärker realistischen Malweise. Diese ersten Schritte hin zu einer eigenständigen malerischen Ausdrucksweise spielen auf vorliegendem Gemälde eine wichtige Rolle. Hier lässt sich ein tiefes Bewusstsein der Strömungen der bolognesischen Malerei feststellen mit Bezügen zu Prospero und Lavinia Fontana, Samacchini und Passerotti, die mit einem Studium der Werke der großen venezianischen Meister des 16. Jahrhunderts wie Tizian, Tintoretto und Veronese kombiniert werden. Doch ist die Komposition ausgewogener, das Gemälde technisch wie auch im Ausdruck naturalistischer ausgeführt. Dies tritt besonders in der starken Plastizität der Figuren hervor. Die Ähnlichkeiten der Gesichter der Dargestellten mit solchen auf unterschiedlichen Zeichnungen und Drucken Agostinos in seiner frühen künstlerischen Karriere ist gegeben. Die beiden Engel unter dem Baldachin zeigen eine besondere Nähe zu jenen auf dem Gemälde „Die letzte Kommunion des Heiligen Hieronymus“, das sich heute in der Pinacoteca in Bologna befindet. Die starke Hauptfigur des heiligen Eremiten ist mit jenen vergleichbar, die auf den Fresken des Palazzo Fava in Bologna, die Jupiter und Mars zeigen, zu sehen sind. Die Haltung der Figuren, die Draperie und Farbigkeit erinnern an „Das Letzte Abendmahl“ im Prado und „Christus und die Ehebrecherin“ in der Brera. Wie von Prof. Paolo Zauli, Kritiker am Gerichtshof in Bologna, in einem Schreiben dargelegt, wurde das vorliegende, von dem ehemaligen Besitzer Prinz Amedeo Hercolani in Auftrag gegebene Gemälde, direkt von Zauli 1988 an einen Sammler in Bologna verkauft und ging von diesem an den heutigen Eigentümer. Das Werk wurde für den Altar der Kirche San Gaetano im Gebäude der Familie Hercolani in Castelmaggiore in Auftrag gegeben, zusammen mit einem Gemälde Ludovico Carraccis, das die Kreuzigung Christi mit den Heiligen Hieronymus und Franziskus zeigt, und einem Gemälde von Guido Reni, das die Madonna mit Kind und Heiligem Franziskus wiedergibt. Wahrscheinlich war dies nicht der ursprüngliche Bestimmungsort, der jedoch bis heute nicht genau identifiziert werden konnte. Wichtig bleibt auch zu erwähnen, dass das Gemälde unter einem Rollwerkornament das Wappen der Familie Ruini trägt, die dem großen Historiker Carlo Cesare Malvasia zufolge in enger Beziehung zu Agostino Carracci stand.

Provenienz:
Sammlung Hercolani, Bologna.

Literatur:
Emilio Negro, Alcune note carraccesche e un inedito longhiano, in: Emilio Negro und M. Pirondini (Hrsg.), La Scuola dei Carracci. I seguaci di Annibale e Agostino, Modena, 1995, S. 15-25.
A. Cottino, Emilio Negro (et al.), Carracci e dintorni, Ausstellungskatalog Turin, 16. - 24. März 1996, S. 17f. (992601) (12)


Agostino Carracci,
1557 - 1602, attributed
Oil on canvas.
271 x 166 cm.

The painting is accompanied by an expert's report by Jürgen Winckelmann.

The exceptional altarpiece gives valuable clues about the difficult reconstruction of the earliest years of Agostino Carracci, the elder brother of Annibale and cousin of Ludovico. This work can be dated between 1580 and 1582. Together with Annibale and Ludovico he pursued a new, alternative path, deviating from the established style of Late Mannerism towards a lighter and more realistic way of painting. A letter by Prof Paolo Zauli, critic at the court in Bologna, explains that the present painting was commissioned by the former owner Prince Amadeo Hercolani and was later sold directly by Zauli to a collector in Bologna in 1988 from whom it passed on to the current owner. The work was commissioned for the altar of the San Gaetano church in the buildings of the Hercolani family in Castelmaggiore. It is important to mention that the painting bears the coat of arms of the Ruini family under a scrollwork ornament and according to the great historian Carlo Cesare Malvasia, they were closely connected to Agostino Carracci.

Provenance:
Hercolani Collection, Bologna.

Literature:
Emilio Negro, Alcune note carraccesche e un inedito longhiano, in: Emilio Negro and M. Pirondini (eds.), La Scuola dei Carracci. I seguaci di Annibale e Agostino, Modena, 1995. pp. 15.
A. Cottino, Emilio Negro (et al.), Carracci e dintorni, Exhibition Catalogue, Turin, 16. - 24. March 1996. pp. 17.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.